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Wasserratten und Rasenspieler

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

joo	Großstadt-Dokumente	Bd.	jo.	Berliner	Sport.

Am stärksten treten die Fußballer auf.

Hohe rindslederne Schnürschuhe. Dicke Strümpfe, die unterhalb des Knies endigen. Dünne weiße Flanellhose, die meist schwarz ist, und das Knie nicht bedeckt, Flanellhemd in den Farben des Klubs. Breiten sich wie Kaninchen aus und sind in 300 Klubs zu je zehn und zwanzig und mehr Genossen organisiert. Sie stecken in zwei großen Gruppen, dem Verband Berliner Ballspielvereine und der Freien Berliner Fußballvereinigung. Jene geht ganz im Sport auf, diese vereins-simpelt und lebt im verborgenen. Der Verband ist unermüdlich bei der Arbeit, den Fußballern Boden zu schaffen.

In jedem Jahre schreibt er sieben Meisterschaften aus nach der Anzahl der Klassen, in die Berlins Mannschaften geteilt sind. Da gibt es drei Klaffen für erste, zwei für zweite und je eine für dritte und vierte Mannschaften.

Hat ein Klub das Berliner Championat errungen, so darf er in der vorn deutschen Fußballbund ausgeschriebenen Meisterschaft von Deutschland konkurrieren. Aber bislang hat sie noch kein Berliner Verein nach Hause getragen. Und doch spielen die Berliner nicht schlecht, mögen sie in Kombination und Technik auch lange nicht an englische Klasse erinnern. Aber dort steckt es im Blut, und auf märkischem Sande ist der Fußball noch ein blutjunges Gewächs, angefeindet von den ehrwürdigen Stadt-vätern, die es als rohes Werkzeug und nicht als Sportinstrument ansehen. Statt feiner nehmen sie die Turnspiele in Obhut.

Der Fußballsxort hat an allen (Ecken sich durchzukämpfen! Gesonderte Sportplätze find ob der leeren Kassen rar, und das Tempelhofer Feld, das sonst widerhallt vorn Tritt der Soldateska, ist noch ihr liebstes Spielfeld.

<£s wird ihnen aber halb entzogen, da die Kommando-stellen unter den Fußballern Sozialisten riechen. Noch lange mag es dauern, ehe die Fußballklubs auf gesicherter Grundlage ruhen und Massen anlocken, die zum Spiel ziehen wie zum Zirkus und zum Rennen. Ausländische Klubs erster Garnitur
        
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