Path:
Wasserratten und Rasenspieler

Full text: Berliner Sport / Arndt, Arno

Wasserratten und Rasenspieler.

97

tauchen die schmalbauchigen SMIer und Vierer und die Achter und Doppelvierer ins Wasser und schießen Schlag um Schlag über die Flache. Nervige und muskelstarke Figuren, halbnackt im dünnen Sweater, Klubmütze und weiße Hosen, die kaum zum Knie reichen. Alles andere bloßes Fleisch.

Zum Anbeißen für blutarme Alädchenherzen, so vis-ä-vis im Boot sitzen oder am Strand von Grünau lüstern auf gute Seemannsprise lauern. Einmal in der Woche flattert hier ein jour fix zusammen. Die ganze Konfektion und ihr Nähpussel-anhang. Das nimmt glühäugig den strammen Rudersmann in den Arm und walzt tänzelnd herum, bis die Nacht sich niedersenkt. Cau und süß und lächelnd. . . .

So stark die Tourenruderei angewachsen ist, im Vordergrund steht doch die Rennmderei.

Alles Training im Frühjahr geht auf die eine große Regatta im IZuni auf dem Cangcnfce bei Grünau.

Der Berliner Regattaverein stellt sie zusammen. Hand in Hand mit feinen Klubs. Auf dem papier ist die Regatta international. Aber nur darauf. IZm Grunde trägt sie nicht viel mehr als lokalen Stempel. Und das, weil die Ruderer immer auf den Segen von oben warten. Sie wollen um jeden Preis den Kaiser auf der Regatta bei sich zu Gaste sehen. Nach der Kieler Woche hat Wilhelm II. keine Zeit übrig für Grünau, also wird der Termin vorher in den frühen Juni gelegt. Viel zu früh, denn die Wirkung sind: unfertige Mannschaften und Fernbleiben der außerberlinischen Klubs.

Nur wenige Fremdlinge sind Grünau noch treu geblieben. Hamburg am stärksten.

Die Kaiserregatta am Sonntag zaubert ein Riesenvolksfest aus der Erde. Auf der langgestreckten Tribüne und der breiten wiese nebenan und am jenseitigen Ufer, wo bewimpelte Kähne verankert find, lauter Menschengewürm. Ls richtet die Augen gen Osten auf die „Bammelecke", wo die ersten Boote nach dem Start in Sicht kommen müssen. Eben ist auf dem
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.