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Nachlese Skala, Walhalla usw.

Full text: Berliner Tanzlokale / Ostwald, Hans

Nachlese. 
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Skala, Walhalla usw. 
Ie schöner der Name, je hübscher der Ort. 
Skala: Ein kleiner netter Saal am Oranienburger 
Tor. Herren und Mädchen nicht anders als bei Gmberg. 
Aber — der Raum. Ein bischen viel schlechter Rokoko 
Gipsstück. Aber, weiß, hell, freundlich, mit festlichem 
Eindruck. 
Und dann tanzt zur Abwechslung mal ein ganz 
leibhaftiger Nigger einen ganz echten Lake Walk. Und 
zwei zierliche Blatzgesichter begleiten ihn nicht ohne 
Schwung. Es sieht ordentlich pervers aus. 
Und weil's schon nach Mitternacht ist, klatschen alle 
begeistert den Takt mit den Händen. 
Auch die vier kleinen Backfische mit kindlich ge¬ 
schminkten Gesichtern und den gleichartigen losen hell¬ 
blauen Blusen, die zum Animieren an der Weinwand 
sitzen, bekommen einen tüchtigen Beifall wenn sie ihre 
Extranummer ein loses Ballettstück getanzt haben. 
Walhalla: Ein Kaffeehaus in der Elsasserstraße, das 
morgens um sechs Uhr den Armen, die nächtlich ihr Geld 
verdienen, die warmen Räume öffnet und warme Ge¬ 
tränke bietet. Hinten ist ein kleiner Saal, in dem einige 
Wochenabende hindurch getanzt wird. Alte Mädchen in 
losen Babyhängern. Fast wie im Bordell. Geschminkt 
und gepudert, zeigen sie ihre derben Schultern und 
locken  
In den Zelten. Nacht vorn Sonnabend zum Sonn¬ 
tag. Der Saal liegt eine Treppe hoch. Die Mädchen, 
die hereinkommen, werden gleich auf irgend einen Schoß 
gerissen oder gedrückt. 
Auch hier Mädchen wie bei Emberg. Nur manche 
dürftiger und jünger, doch auch mit den lasterhaften, 
hängenden Mundwinkeln ...
        
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