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Im Ballokal

Full text: Berliner Tanzlokale / Ostwald, Hans

74 Großstadt-Dokumente Bd. 4. Berliner Tanzlokale.

Kleideten Mädchen. Sind nicht so dumm wie die beiden Alten nebenan, deren robuste Figur auf Engros-schlächterei hindeutet. Die lieben nun mal Fleisch. Und da kommen die Üppigen mit den Toiletten gerade recht.

Ja, der eine Alte, groß, mit knallrotem Gesicht, tanzt und läßt sich vortanzen. Es ist verblüffend, wie das eine der Mädchen dort in der Nische ihr Becken kreisen lassen kann.

Ab und zu gibt's in der Ecke einen Knäuel von hellen Frauengliedern und dunklen Männerkleidern.

Der zweite Alte, den schon graues Weisheitshaar schmückt, ist nicht mehr so agil wie sein Freund, dessen Augen zwinkern und leuchten. Er zuckt stets zusammen, wenn das eine Mädchen, die sich im Walzertakt wiegt, ihm mit den Händen an die Schenkel kommt.

Aber plötzlich sind die alten Herren verlassen.

Sie hörten vorn Kellner ihre Zeche. Und verbaten sich weitere Sektflaschen.

Da liefen die Mädchen zu jüngeren Herren.

Allzuviel junge Männer sind ja nie in solchen Balllokalen. Die haben nicht das Geld dazu: 3 bis 5 Mark Eintritt. Garderobe 1 Mark. Sekt 15 bis 20 Mark die Pulle. Da mutz man was hinter sich gebracht oder sich den richtigen Vater ausgesucht haben. Wie die zwei Jünglinge in Smoking und Fulldrch, die so blöde am Tisch sitzen und beim Tanz nur ihre Mädchen quälen, plump und ohne Rhythmus leben.

Da sind manche der alten Herren anders.

Die schwingen ihre Tänzerinnen mit Eleganz und Grazie herum — selbst der Apoplektiker.

Wenn nun auch einzelne fidele Gruppen sich gebildet haben — die meisten Mädchen sind ohne Herren.
        
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