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Im Ballokal

Full text: Berliner Tanzlokale / Ostwald, Hans

Im Ballokal.	73

So werden sie von den zehn — zwanzig Mädchen kaum gewürdigt, die tanzen — trotz der Leere. Gerade, wie die Musik ja auch ihre Pflicht erfüllt.

Junge, ziemlich volle Gestalten sind darunter. Zwei in weißen, duftigen Kleidern protzen mit ihren unge-schnürten Körpern. Eine andere, schlank, mit kleinem Blondkopf aus weißer Seidenbluse, überspringt keinen Takt.

Und die Musik erfüllt ihre Pflicht und spielt ununterbrochen. Beide Kapellen lösen einander ab.

Eine rosa Robe, über die sich schwarzer Glanzflitter zieht, rauscht herein. Erst sieht sie keinen der Herren (hier gibt es keine Männer, sondern nur Herren!). Aber schließlich sitzt sie doch bei den dreien und sagt herablassend :

„Bestelle Sekt!"

Die drei sind verblüfft ob ihres Glücks.

Aber der eine macht ihr klar, daß für Sekt nicht der richtige Moment ist. Und da ihr der Fünfmarkwein nicht paßt — sie kennt diese Hausmarke — so begnügt sie sich mit Sprudel.

Allzu gesprächig ist sie nicht. Nur in kurzen Worten erklärt sie ihr slavisches Gesicht mit dem gepuderten Teint und der Stupsnase.

„Aus Warschau!"

„Aha — Warschauer Straße — draußen beim Meh-hof!" meint der eine.

Allzu beleidigt ist sie nicht. Sieht aber doch nach den Gruppen der alten Herren, die jetzt so langsam ankommen. Immer noch spärlich. Aber sie kommen und bringen Leben in die Bude. Die Nischen füllen sich. Sekt-pftopfen knallen. Besonders bei den beiden Alten, von denen der eine bleich und scharfgeschnitten, der andere rundlich und rosig ist. Sie halten es mit einfacher ge-
        
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