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Berliner Tanzlieder

Full text: Berliner Tanzlokale / Ostwald, Hans

60 Großstadt-Dokumente Bd. 4. Berliner Tanzlokale.

neigenden Dingen labte — Dingen, wie sie schon in: „Meine — deine Tante" Anklang gefunden. Jetzt kamen sie wieder zum Vorschein in dem „Hinterm Ösen sitzt ’rte Maus" und ähnlichen Gesängen. Und daneben immer die alte (Sentimentalität. Diese Sentimentalität, die nie ausstirbt und die sich int letzten Jahrzehnt austobte in den Liedern:

„Ich weiß ein Herz, für das ich bete!"

„D schöne Zeit, o sel'ge Zeit!"

„Gin fahrender Sänger, von niemand gekannt,

Gin Rattenfänger, das ist mein Stand!"

Za, diese Sentimentalität des Tanzsaales vergriff sich sogar am heiligen Elterngrab, nachdem sie im „Findling" so einen rechten Schmachtlappen erzeugt hatte — nach dem ein richtiger gefühlvoller Walzer getanzt wurde. Dessen erster Vers lautete:

Seilt Heimatland, kein Mutterhaus,

Stets einsam und verlassen,

Irr' ich umher, jahrein, jahraus,

Kaum weiß ich es zu fassen.

Schon in der frühsten Iugend war Ich jeder Mutterliebe bar.

Kein Mütterlein, das mir die Stirne küßt,

Das freundlich gegen mich gewesen ist,

Nur fremde Leute, die da hart und kalt,

Statt Mutterlieb' erzog mich die Gewalt!

O wie beneidet' ich die andern da,

Die lustig sprangen her um die Mama.

Ich weinte still und sprach dann mein Gebet:

Wenn ich noch eine Mutter hätt'!

Das wurde zum Walzer gesungen! — ebenso wie jetzt:
        
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