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Donnerstag bei Schramm

Full text: Berliner Tanzlokale / Ostwald, Hans

Donnerstag bei Schramm.	47

Annetta für eine Stammtänzeriu dieses Lokals halte. Denn sie sprach auch von allen anderen Tanzlokalen — von Halensee, von Südende, vorn Zoologischen Garten, wo ja auch öfter getanzt wird . . .

So hatte sie jene niedliche Person mit dem Federboa um den bloßen Hals schon da und dort so tanzen sehn: Die Händchen aus den Schultern des Tänzers und dessen Hände um die dünne Taille — wie wennste schwebst . . .

Und jene, die so meisterlich changieren, so prachtvoll vorwärts und rückwärts gleiten konnte, hatte Annetta im Gesellschaftshaus zu Grünau — na, wenigstens schon zehnmal getroffen.

Und die dritte, die mit einem blutjungen, wohlhabend gekleideten Menschen tanzte, seine Holperei nicht beachtete, ihn immer fest im Takt herumschwenkte, nannte Annetta „die Tanzlehrerin". Die sei jeden Tag aus einem andern Saal zu finden.

Ebenso auch die kleine zierliche Brünette. Die erzähle jedem Tänzer, sie sei am Metropoltheater Choristin. Daher trage sie auch die großen, wehenden Hüte.

Doch Annetta habe sie schon öfter am Potsdamerplatz stehen sehn. So um Mitternacht — ganz allein, wenn da die Männer mit stechen Blicken herumsuchen ...

Auch jene hübsche Hochgewachsene mit dem griechisch geknoteten, kastanienbraunen Haar sei oft hier. Der komme es aber nur daraus an, mit irgend einem Herrn zu tanzen, die sähe sich gar keinen an. Nur tanzen. Mit einem Herrn! . . .

Und bis zuletzt! . . .

Annetta behielt recht.

Sie konnte ihrem Tänzer zeigen, daß jene den wilden Schlußgalopp mittanzte und auch mit einem Herrn nach dem Bahnhof ging.
        
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