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Sonnabends bei Mundt

Full text: Berliner Tanzlokale / Ostwald, Hans

18 Großstadt-Dokumente Bd. 4. Berliner Tanzlokale.

Gleich vorn am Eingang sitzen mehrere Gruppen von Mädchen, die jeden Eintretenden anlachen, ansprechen und locken. Mädchen in grellen, billigen Demimondekleidern. Mädchen, mit schlecht auffrisierten Haaren, denen die Friseurin schon das billig Aufgedonnerte gegeben. Mädchen, deren Gesicht verkümmert, verdorben, frech und. verschüchtert zugleich erscheint und deren Blicke jeden Mann um ein wenig Mitleid, Lüsternheit und Dummheit anbetteln.

* *

*

So wie das hagere huhnartige Geschöpf, das im Gang zwischen den Tischen entlang streicht und sich mit ihren dürren bloßen Schultern und ihrem schwindsüchtigen ausgemergelten Gesicht an jeden Ankömmling herandrängt — und von jedem mit Widerwillen beiseite geschoben wird.

Wie von dem riesigen Menschen, der, halb trunken, mit vornübergebeugten Schultern hereinschiebt und sich an einem der nächsten Tische niederläßt. Er sieht in seinem Normalhemd, ohne jede weiße Plättwäsche aus wie ein Kutscher oder ein kleiner Milchpanscher.

Viele der Mädchen machen sich an ihn heran.

Aber alle kriegen einen Stoß von seiner schwieligen Hand. Und ein Grunzen sagt ihnen, daß er unbelästigt bleiben will.

Mit glasigen, verschleierten Augen sieht er hinein in das Gewühl im Saal.

* *

*

Da tanzen sie, fast wie auf einem Vereinskränzchen. Viele der Mädchen nicht besser gekleidet, als eine Arbeiterin, die in ihrem Sonntagsstaat steckt. Und viele
        
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