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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

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Großstadt-Dokumente Bd. 3.

Dies der Brief einer Mutter. Wem kommen bei diesen und ähnlichen Begebenheiten nicht Goethes Worte in den Sinn: „Opfer fallen hier, weder Lamm noch Stier, aber Menschenopfer unerhört".

Wir sind am Ende unserer Wanderung, und ich danke dein Leser, der mir diese weite Strecke gefolgt ist, welche über so viele dunkle Abgründe menschlichen Elends, wenn auch über manche Höhe führte. Ehe wir uns trennen, laß mich Dir noch zwei Geschehnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart berichten und eine Frage daran knüpfen.

Es war einmal ein Fürstbischof, Philipp, der residierte in der alten Stadt Würzbnrg am Main. Es war in der Zeit von 1623—1631. In diesen acht Jahren ließ der Bischof, wie uns die Chroniken rühmend berichten, 900 Hexen verbrennen. Er tat es im Namen des Christentums, im Namen der Sittlichkeit, im Namen des Gesetzes und starb im Wahne, ein gutes Werk vollbracht zu haben.

Wir aber, die wir wissen, daß es niemals Hexen gab, werden noch heute von tiefem Schauder erfaßt, gedenken wir dieser zu unrecht gerichteten Frauen und Mütter.

In unserer guten Stadt Berlin leben zwei geistliche Herren, von denen der eine Philipps, der andere Runze heißt. Sie sagen, sie verkünden die Lehren des verehrungs-würdigsten Meisters, der da die Worte zum Volke sprach: „Wer unter Euch frei von Schuld ist, der werfe deu ersten Stein auf sie."

Wie ihre Vorgänger in den Lahmen Gezeichnete, in Geisteskranken Besessene und in den Seuchen Strafen des Himmels sahen, so sehen sie in den Homosexuellen
        
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