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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

Berlins drittes Geschlecht.	73

stimmungen ergeben; dasselbe würde der Fall sein, wenn entsprechend der Kölner Resolution der evangelischen Sittlichkeitsvereine, die „wirklich krankhaft Geborenen" imter den Homosexuellen in Heilanstalten untergebracht werden würden. Ich betone, um keinen Irrtum aufkommen zu lassen, hier nochmals, daß es sich bei den Forderungen zu Gunsten der Homosexuellen lediglich um das handelt, was erwachsene Personen in freier Uebereinstimmung unter einander vornehmen; daß vor denen, die Rechte Dritter verletzen, die sich an Minderjährigen vergreifen, die Gewalt anwenden, daß vor den Sternbergen und Dippolden die Gesellschaft geschützt werden muß, ist selbstverständlich.

Vor einiger Zeit äußerte sich in einer Berliner Lehrerzeitung^ ein Lehrer, daß man in Anbetracht der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse sich Wohl oder übel mit der Frage beschäftigen müsse, wie die Homosexuellen „auf eine den Zwecken der Gesellschaft fördersame Art" in dieselbe einzureihen wären.

Ist denn diese Frage nicht längst gelöst?

Wo ist in Berlin ein Kunstfreund, der sich nicht an der Darstellungskunst einer «mischen Tragödin, wo ein Musikfreund, der sich nicht am Gesänge eines nrnischen Liedersängers erfreut hätte!

Bist Du denn sicher, ob nicht der Koch, der Deine Speisen bereitet, der Friseur, der Dich bedient, ob nicht der Damenschneider, der Deiner Frau Kleider fertigt, und der Blumenhändler, der Deine Wohnung ziert, uruisch empfinden?

Vertiefe Dich in die Meisterwerke der Weltliteratur,

‘) Pädagogische Zeitung 33. Jahrgang Nr. 33, Berlin, 18. August 1904, Leitartikel: Die Erziehung imd das dritte Geschlecht von Paul Sommer.
        
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