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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

66 Großstadt-Dokumente Bd. 3. 
während der männliche, aktive Teil, der „Vater" sich frei 
fühlt und sich auch außerhalb seines gemeinschaftlichen 
Schlafgemachs weiblichen Verkehr gestattet, verlangt er 
von der weiblich Passiven Partnerin in Bezug auf 
homosexuellen Umgang die vollkommenste Treue. Bei 
entdecktemTrenbrnch setzt sich sein Verhältnis den schwersten 
Mißhandlungen aus, es kommt sogar vor, daß der 
männliche Teil dem weiblichen während der Zeit ihres 
Liebesbündnisses verbietet, ihrem Gewerbe nachzugehen. 
Die weibliche Straßeuprostitution Berlins unterhält 
auch vielfach Beziehungen mit nrnischen Frauen besserer 
Gesellschaftskreise, ja sie scheut sich nicht, Frauen, die ihr 
homosexuell erscheinen, auf der Straße Anerbietuugen zu 
machen. Dabei ist zu bemerken, daß die Preise für 
Frauen durchgängig geringere sind, ja, daß in vielen 
Fällen jede Bezahlung abgewiesen wird. Mir berichtete 
eine junge Dame, die allerdings einen sehr homosexuellen 
Eindruck macht, daß ihr auf der Straße Prostituierte 
Angebote von 20 Mark und mehr gemacht hätten. 
Sowohl die weibliche, wie die männliche Prostitution 
bedrohen durch ihr böses Beispiel nicht nur die öffentliche 
Sittlichkeit, nicht nur die öffentliche Gesundheit — denn 
es ist durchaus nicht selten, daß auch durch männliche 
Prostituierte ansteckende Krankheiten von der Skabies 
(Krätze) bis zur Syphilis übertragen werden — sondern 
auch in hohem Maße die öffentliche Sicherheit. 
Prostitution und Verbrechertum gehen ^and in 
Hand; Diebstähle und Einbrüche, Erpressungen und 
Nötigungen, Fälschungen und Unterschlagungen, Gewalt¬ 
tätigkeiten jeder Art, kurz alle möglichen Verbrechen 
wider die Person und das Eigentum sind bei dem 
größten Teile der männlichen Prostituierten an der 
Tagesordnung, und besonders gefährlich ist es, daß diese
        
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