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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

Berlins drittes Geschlecht.	65

fortnehmen. Eine ziemlich gebildete Prostituierte, die ich einmal nach einer Erklärung des guten Einvernehmens zwischen den weiblichen und männlichen Prostituierten fragte, antwortete mir: „wir wissen doch, daß jeder „Freier" nach seiner Faeon selig werden will."

Unter den Berliner Prostituierten kommen vielfach eigentümliche Paarungen vor. So tnn sich normale männliche Prostituierte, die sogenannten Pupeuluden, nicht selten mit normalen weiblichen Prostituierten zu gemeinsamer „Arbeit" zusammen, auch von zwei Geschwister« paaren ist mir berichtet, von denen sowohl die Schwester wie der Bruder diesem erniedrigenden Gewerbe obliegen; sehr häufig leben zwei weibliche und nicht selten auch zwei männliche Prostituierte zusammen, und endlich kommt es auch vor, daß sich homosexuelle weibliche Prostituierte mit homosexuellen männlichen Prostituierten als Zuhältern verbinden, die sie für weniger brutal halten, als ihre heterosexuellen Kollegen.

Bekannt ist es, daß es unter den weiblichen Prostituierten eine große Anzahl homosexueller gibt, man schätzt sie auf 20%. Mancher wundert sich über diese» scheinbaren Widerspruch in sich, da doch das käufliche Dirnentum vor allem der sexuellen Befriedigung des Mannes dient. Vielfach meint man, es liege hier eine Uebersättignng vor, das ist aber in Wirklichkeit nicht der Fall, denn es läßt sich nachweisen, daß diese Mädchen gewöhnlich schon homosexuell empfaudeu, ehe sie sich der Prostitution ergaben, und es beweist die Tatsache ihrer Homosexualität eigentlich nur, daß sie den Verkauf ihres Körpers lediglich als ein Geschäft betrachten, dem sie mit kühler Berechnung gegenüberstehen.

Merkwürdig ist das Verhältnis der sich liebenden Prostituierten untereinander. Bis in diese Kreise ist das System der doppelten Moral gedrungen. Denn

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