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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

58	Großstadt-Dokumente	Bd.	3._________________

Nicht weniger wie die Bälle, sind auch die „Herren« abende" besucht, theaterartige Veranstaltungen, welche von Zeit zu Zeit von Urningen für Urninge gegeben werden. Gewöhnlich sind sämtliche auftretenden Künstler „Zwischenstufen"; besonders beliebt ist es, berühmte Literaturwerke homosexuell zu parodieren, und es erregt nicht geringe Heiterkeit, wenn die Engeln als Marthe Schwertlein, die Harsenjule als Salome oder gar Schwan-Hilde, als Maria Stuart, Königin Elisabeth und Amme

in einer Person auftritt.

Außer den Restaurants gibt es in Berlm auch Hotels, Pensionate und Badeanstalten, die fast ausschließlich von Homosexuellen besucht werden; dagegen habe ich ein von Pastor Philipps neuerdings, wie bereits früher, erwähntes Berliner Gemeinschaftshaus der Homo-sexuellen bisher nicht ermitteln können.

Die Homosexualität in Badeanstalten ist in Berlm bei weitem nicht so verbreitet, wie in anderen Groß-städten, namentlich in St. Petersburg und Wien. In der österreichischen Hauptstadt befindet sich ein Bad, das durch den ganz außerordentlich starken Zusammenfluß von Homosexuellen an bestimmten Tagen, zu gewissen Stunden einzig dastehen dürfte. In Berlin weiß ich von vier mittelgroßen Badeanstalten, die nur von homosexueller Kundschaft leben. Auch einige Schwimmbassins sind zu bestimmten Tageszeiten Treffpunkte der Homosexuellen.

Vielfach sind in diesen Anstalten, ebenso wie m den Restaurationen und Hotels, der Besitzer oder ein Angestellter homosexuell. Dieselben sind ursprünglich meist nicht in der Absicht gegründet, nrnische Bekanntschaften zu vermitteln oder gar der Unzucht Vorschub zu leisten (im Sinne des § 180 R.-St.-G.-B.), vielmehr hat es sich allmählich herumgesprochen, daß der Eigentümer
        
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