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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

Berlins drittes Geschlecht.

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Einbruch der Dämmerung in bestimmter Absicht auf-und abgehen. Wie die Lokale, wechseln auch die „Striche" ziemlich häufig, so ist erst neuerdings ein vielbegangener Weg, das Planufer, den Soldaten verboten worden.

Sehr verbreitet ist die Soldatenprostitution namentlich in den skandinavischen Hauptstädten; in Stockholm läßt man seit einigen Jahren sogar eigene Militärpatrouillen auf Soldaten fahnden, die zu dem erwähnten Zwecke „herumstreichen", doch hat dies, wie unser Ge-währsmamt, der lange in der schwedischen Hauptstadt lebte, versichert, nichts geholfen.

In Helsingfors, der Hauptstadt Fiulands, einem Orte von etwa 80 000 Einwohnern, ist die militärische Prostitution ganz besonders stark hervortretend. Etwas geringer ist sie in Petersburg, wo auf einem vom Centrum der Stadt weit entfernten Platz besonders Matrosen Bekanntschaften mit Homosexuellen suchen.

Unser Gewährsmann vergleicht mit diesen Städten Paris, wo er „in 18 Monaten nur Rudimente eines militärischen Strichs" nachweisen konnte, sowie die einschlägigen Verhältnisse in Amsterdam, Brüssel. Rom, Mailand, Neapel und Florenz (Städte ohne Urnings-Paragraphen) und gelangt zu dem Schlüsse, „daß in allen europäischen Ländern mit strengen Strafbestimmungen gegen den homosexuellen Verkehr die Hingabe von Soldaten in einer Weise auftritt, die man nicht für möglich halten sollte, wenn man es nicht mit eigenen Augen beobachtet hat, während man in Ländern ohne Urningsparagraphen fast nichts von dieser Erscheinung bemerkt".

Die gebräuchliche Bezeichnung „Soldatenprostitution" entspricht übrigens dem sonstigen Begriff der Prostitution nicht, da es sich ja bei den Soldaten keineswegs „um eine berufs» oder gewerbsmäßige Hingabe des Körpers"

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