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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

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Großstadt-Dokumente Vd. 3.

was sich schickt und was er nicht tun soll; das oft drollige, komische Wesen desUrnings trägt auch zu seiner Erheiterung bei; wenn sein Freund ihm abends Couplets vorsingt oder ihtn gar, mit dem Lampenschirm als Kapotte und einer Schürze weiblich zurecht gestutzt, etwas vortauzt, amüsiert er sich in seiner Naivität über alle Maßen. Weitere Momente sind der Mangel an Geld oder an Mädchen, die dem Soldaten nichts kosten, die Furcht vor den beim Militär sehr übel accreditierten Geschlechtskrankheiten und die gute Absicht, der daheim bleibenden Braut treu zu bleiben, der man beim Abschied die Treue geschworen und die in jedem „Schreibebrief" ängstlich an diesen Schwur gemahnt.	c

In der Nähe der geschilderten Kneipen befindet sich vielfach auch der „militärische Strich", auf dem die Soldaten einzeln oder in Paaren gehend Annäherung an Homosexuelle suchen. Ich will hier auf eine wichtige Erscheinung hinweisen, auf die mich ein weit gereifter Homosexueller aufmerksam machte, und deren Richtigkeit mir auf Befragen seitdem von zuverlässigen Gewährsmännern übereinstimmend bestätigt wurde. Die „Soldaten-Prostitution" ist in einem Lande um so stärker, je mehr die Gesetze die Homosexualität verfolgen. Offenbar hängt diese Tatsache damit zusammen, daß man in Ländern mit Urningsparagraphen von den Soldaten am wenigsten Erpressungen und andere Unannehmlichkeiten zu fürchten hat.

Außer in London, wo sich in den belebtesten Parks und Straßen vorn Spätnachmittag bis nach Mitternacht zahlreiche Soldaten in unverkennbarer Weise feilbieten, fand unser Gewährsmann in keiner Weltstadt jeden Abend solche Auswahl an Soldaten verschiedener Waffengattungen, wie in Berlin. Es gibt etwa ein halbes Dutzend Stellen, auf denen die Soldaten nach

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