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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

Berlins drittes Geschlecht. 45 
Platz), die Herzogin von Aschaffenburg, die Herzogin 
d'Angonlöme, die Großfürstin Olga, die Königin Natalie, 
die Carmen Sylva, die Kaffeekönigin, die Polenkönigin, 
die Oberstallmeisterin, die Excellenzfrau, die Kaiserin 
Messalina und die Kaiserin Katharina. 
Manche führen ihre Namen von ihrem Beruf; so 
wird ein urnischer Ballettänzer „Jettchen Hebezeh", ein 
Damenschneider „Jenny Fischbein" und ein Damen- 
komiker „Pokahuntas, die hinterindische Nachtigall" ge- 
nannt. 
Ich bemerke, daß sämtliche hier angeführten Spitz¬ 
namen von zwei Gewährsmännern innerhalb kurzer Zeit 
in einem einzigen Berliner Nrningslokal gesammelt wurden. 
Von Beinamen, die der Zoologie entstammten, fanden 
sie unter anderen: die „Schweizerkuh", das „Meerschwein¬ 
chen", „die Gipskatze" (weil er sich stark pudert), „die 
Krückente", „die Ententrittsche" (weil er beim Gehen 
»watschelt"), „die schwarze Henne", „die Nebelkrähe", 
„die Spitzmaus", „die Brillenschlange" und „die Kreuz¬ 
spinne"; von botanischen Bezeichnungen: „das Blau- 
veilchen", „das Apfelröschen", „das Nesedaköpfchen", 
„Paprika" (auch „Papp-Rieka" genannt), „die Rosine" 
und „die Weintraube" (weil er so leicht gerührt ist). 
Mit großer Vorliebe wird den Titeln oder hervor¬ 
stechenden Eigenschaften ein „in" oder „sche" oft in sehr 
origineller Weise angehängt; der Direktor wird znr 
„Direktorin", der Geheimrat zur „Geheimrätin", ein Rechts¬ 
anwalt heißt „die Anwaltsche", ein vornehmer Nruing, 
der mit seine» Freunden häufig im Chambre separüe 
speisen soll, heißt „die Chambreseparoesche", ein anderer, 
der viel das Sonnenbad besticht, „die Lichtluftbadsche", 
während ein Klavierspieler „die Klaviersche", einer der 
sich stark schminkt „die Zinnobersche" und ein Elektro¬ 
techniker kurzweg „die Elektrische" genannt wird.
        
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