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Berlins drittes Geschlecht

Full text: Berlins drittes Geschlecht / Hirschfeld, Magnus

24	Großstadt-Dokumente	Bd.	3.________ _______

Nicht vereinzelt kommt es in Berlin vor, daß »mische Junggesellen sich bei den Familien ihrer Freunde einmieten und dort wie Angehörige des Hauses angesehen werden. Es gibt Mütter, selbst wissende, die oft in überschwenglicher Weise das Glück preisen, das; ihr Sohn einen so großartigen Freund, ihre Tochter eine so ausgezeichnete Freundin gefunden; diese Freundschaft sei ihnen viel lieber, als wenn sich ihr Sohn mit Mädchen herumtreibe, ihre Tochter sich von Männern den Hof machen ließe. Verstieg sich doch einmal eine Mutter, die mich wegen eines geschlechtlich infizierten Sohnes aufsuchte, zu dem merkwürdigen Ausspruch: „Ich wünschte, mein zweiter Sohn wäre auch Homo* sexuell." Manchmal liebt der Freund den Sohn des Hauses und wird von der Tochter geliebt, wie überhaupt zwischen den verschiedenen normalsexuellen und homosexuellen Personen desselben Kreises hie und da ganz sonderbare Verwicklungen vorkommen. Für den Psychologen und Schriftsteller, welcher das urnische Moment in den Beziehungen der Menschen untereinander zu erkennen weiß, erweitern sich dadurch die der Beachtung und Darstellung würdigen Konflikte in ungeahnter Weise.

Ich kannte in Berlin einen Uranier, der die Schwester eines Jünglings heiratete, nur um mit den: Bruder oft und uuauffällig zusammen sein zu können. Die Ehe, welche in Wirklichkeit keine war, ging nach einigen Jahren auseinander, nachdem der uormalsexuelle Bruder seinen Schwager — nicht etwa im Bösen, sondern im Guten - um sein ganzes beträchtliches Vermögen gebracht hatte.

Ein anderer Homosexueller liebte einen Mann, welcher mit einem Mädchen ein inniges Liebesverhältnis anknüpfte. Der Urning war auf das Mädchen sehr eifersüchtig, und auch diese war auf den Freund, der ihren
        
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