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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen. 
daß bei der Frau der Geschlechtstrieb stärker entwickelt 
wäre als beim Manne. Alle übrigen neueren Forscher, 
die sich mit dieser Frage intensiver beschäftigt haben, wie 
Runge, Möbius, Näcke, sind zu der Überzeugung ge¬ 
kommen, daß dem Manne im allgemeinen ein stärkeres 
Geschlechtsbedürfnis zukomme. Der Mann ist von Natur 
aus polygam veranlagt; er liebt die Abwechslung. Dazu 
kommt, daß sein Geschlechtstrieb durch seine vielfachen 
Berührungen mit dem weiblichen Geschlecht, durch Be¬ 
suche von Varietes und anderer sinneskitzelnder Vor¬ 
führungen, durch reichlichen Alkoholgenuß u. a. m. öfters 
und andauernder gereizt bzw. künstlich gesteigert wird. 
Nur bei hysterischen Weibern, aber auch nicht immer, 
findet sich ein erhöhtes Geschlechtsverlangen; desgleichen 
sind geisteskranke Frauen durchschnittlich libidinöser als 
geisteskranke Männer. Das geschlechtliche Moment spricht 
demnach im Leben und Treiben des Mannes vielfach mit. 
Diese verschiedene Charakteranlage der beiden Ge¬ 
schlechter kommt auch in den von ihnen begangenen 
Delikten zum Ausdruck. Verbrechen, welche Überlegung, 
körperliche Kraftentfaltung und Gewandtheit verlangen, 
fallen mehr in t>m Bereich des Mannes, also Widerstand 
gegen die Staatsgewalt, vorsätzliche Körperverletzung, 
schwerer Diebstahl. Der erhöhte Geschlechtstrieb führt zu 
Anzuchtsverbrechen. Hingegen ist das Weib entsprechend 
seinen: hinterlistigen, unaufrichtigen, lügnerischen Charakter 
vorwiegend an Verbrechen beteiligt, die zu ihrer Aus¬ 
führung diese Eigenschaften erfordern; daher sehen wir 
seine Straffälligkeit bei leichtem Diebstahl, Hehlerei, Be¬ 
trug, Verleumdung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Ver¬ 
letzung der Eidespflicht und Verführung hierzu sowie 
Kuppelei relativ hoch. Die Anlage für Grausamkeit 
äußert sich in der starken Beteiligung an Mord, im be¬ 
sonderen am Kindesmord und an der Kinderaussetzung.
        
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