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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

92	Großstadt-Dokumente	Bd. 48.

sogar in einer ganz abgeschlossenen moralisch gewiß einwandfreien Umgebung zuteil geworden war, sich in den denkbar unanständigsten Redensarten schamlos ergingen, bei denen man staunend sich fragen mußte, woher ihre Kenntnis stammen könnte. Jeder Psychiater wird mir dies bestätigen, daß geisteskranke Frauen sich oft genug in so unflätigen Worten und Gebärden, besonders männlichen Personen gegenüber gefallen, wie man sie bei geisteskranken Männern höchst selten findet. Lombroso und Ferrero schreiben dies dem Umstände zu, daß der moralische Sinn des Weibes ebenso wie der des Kindes weniger entwickelt ist als der moralische Sinn des Mannes. Gute Kenner der weiblichen Psyche werden dem gewiß beipflichten.

Damit hängt auch zusammen, daß das Weib sich durch größere Grausamkeit auszeichnet, besonders wenn es sich um Ausübung der Rache handelte. Die Schilderungen der Forschungsreisenden wissen von grausamen Martern zu berichten, welche besonders von den Frauen der Wilden Gefangenen bereitet werden. Auch die Geschichte kennt Beispiele von solcher Grausamkeit. So ließ Elisabeth von Rußland ihren Liebhaber in einem Palast aus Eis wohnen und auf einem solchen Bette schlafen. Bekannt ist ferner, daß die Petroleusen der Revolution viel tierischer verfuhren als ihre Männer: während der Kommune trieben sie die Männer zu den Metzeleien an, töteten die Verwundeten und während der Revolution standen sie in erster Reihe vor der Guillotine und frohlockten bei jedem Opfer, das dieselbe erforderte. Sehr treffend hat Zola in seiner „Menschlichen Bestie" die Grausamkeit der Weiber geschildert. Besonders richtet sich die Grausamkeit des Weibes gegen schwache und hilflose Wesen (Sklaven, Kinder, Verwundete). — Aus der andern Seite aber auch wieder muß man darüber staunen, wie
        
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