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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

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Großstadt-Dokumente Bd. 48. 
drohung und am spätesten (30 bis 40) bei der Belei¬ 
digung. 
Es erübrigt sich, noch einige Worte über die Straf¬ 
taten gegen den Staat und die öffentliche Ord¬ 
nung zu sagen. Hier sind es vorzugsweise zwei Ver¬ 
gehen, die, weil sie in großer Häufigkeit verübt werden, 
eine statistische Verwertung gestatten: die Majestäts¬ 
beleidigung und der Widerstand gegen die Obrigkeit. 
Aber die Majestätsbeleidigung teilt Högel (Straf- 
fälligkeit des Weibes, S. 256), nur absolute Zahlen aus 
der österreichischen und deutschen Statistik mit, die in¬ 
dessen zwei wichtige Tatsachen erkennen lassen, einmal 
die verhältnismäßig geringe Beteiligung des weiblichen 
Geschlechtes an diesem Vergehen und sodann die auffällig 
hohe Ziffer der Vorbestraften. So waren in Österreich 
von 188 wegen Majestätsbeleidigung verurteilten Männern 
allein 132 (darunter 57 mehreremal wegen Verbrechens), 
in Deutschland von 556 verurteilten Männern 329 vor¬ 
bestraft. Högel erklärt sich diese Erscheinung dadurch, 
daß es sich hierbei zumeist um Personen handelt, die 
schon sittlich tief gesunken und mit sich und der Welt 
in dem Grade verfallen sind, daß sie keine Scheu mehr 
empfinden, gegen den Landesfürsten sich in beleidigenden 
Äußerungen zu vergehen. Sie tun dies hauptsächlich aus 
dem Grunde nur, um Unterkunft und Unterhalt im Ge¬ 
fängnis zu finden. Sehr deutlich tritt dies am weib¬ 
lichen Geschlecht hervor. Unter den verurteilten Weibern 
aus dem Jahre 1893 waren mehr als 8A (darunter Vs 
wegen Verbrechens) schon öfters vorbestraft und fast 2/s 
standen im Alter über 30 Jahre. 
Bei den Vergehen wegen Widerstands gegen die 
Staatsgewalt belief sich die Straffälligkeit des weib¬ 
lichen Geschlechtes auf ungefähr Via der des männlichen. 
Es hängt dies offenbar mit der gering entwickelten phy-
        
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