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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

84	Großstadt-Dokumente	Bd.	48.

Handlung aufgefaßt, nicht nur den auf die Verletzung der Rechtssphäre gerichteten Willen voraussetzt, sondern auch die diesen Willen ausführende Tat, und meint, daß die zur Tat erforderliche Energie den geistig und moralisch minderwertigen Prostituierten fehlt. Mangel an Tatkraft ist also seiner Ansicht nach in letzter Linie der Grund für das eigentümliche oben geschilderte psychologische Verhalten der Prostituierten; sie vermögen nicht einmal jene geringe Tatkraft auszubringen, welche erforderlich wäre, um sich im eigensten Interesse des drückenden Joches ihrer Ausbeuterinnen, der Kupplerinnen, zu entledigen oder sich aus der Gewalt ihrer Zuhälter zu befreien. Vaumgarten verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, diesen Mangel an Tatkraft mit Feigheit zu identifizieren. Bei feigem Verhalten unterbleibt die Tat, weil die Vorstellung der unangenehmen Folgen ihrer Ausführung vor ihr zurückschrecken läßt. Diese Überlegung nun fehlt der Prostituierten, ihr fehlt der Wille zur Tat. Daß sie nicht feige ist, lehrt die Erfahrung; denn sie geht unter Umständen, z. B. im Augenblick augenscheinlicher, unmittelbarer Gefahr instinktiv draus. Es zeigt sich dies auch an der relativ hohen Zahl der Bestrafungen wegen Wachbeleidigung. Dieses sind indessen, wie Vaumgarten des näheren ausführt, alles nur sog. Augenblicksdelikte, Delikte, die aus momentanen Affekt-ausbrüchen beruhen, nicht auf planmäßiger, wenn auch nur kurzer Überlegung, wie der Diebstahl sie erfordert.

Dieser Erklärungsversuch Vaumgartens hat viel für sich; sie entzieht meines Erachtens der Behauptung, daß die Prostitution den weiblichen Ersatz des Verbrechens bedeute, den Boden. Wir haben diese Frage schon oben berührt; ich möchte hier noch ergänzend hinzufügen, daß, wenn man wirklich annimmt, daß die gewerbliche Unzucht für das Weib das bedeute, was für den verkom-
        
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