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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

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Großstadt-Dokumente Vd. 48.

wurden nur 3 — 0,1% wegen Diebstahls verurteilt. — Rechnet man die 21 Fälle von Übertretung des Dieb-stahls noch hinzu, dann würde sich der Prozentsatz wegen Vergehen gegen das Eigentum aus nur 1% belaufen, eine immer noch erschreckend niedrige Zahl. Diese muß ausfallen, weil, wie Vaumgarten hierzu treffend bemerkt, einerseits den Prostituierten im Hinblick auf ihre vernachlässigte Erziehung eine sehr geringe moralische Widerstandskraft innernohnt, andererseits, weil ihnen besonders infolge ihres häufigen, wahllosen, geschlechtlichen Verkehrs mit verschiedenen Leuten wiederholt die denkbar günstigste Gelegenheit, speziell zur Bestehlung ihrer Besucher, zumal wenn sie betrunken sind und sich gar nicht bewußt werden, daß ihnen ein Teil ihrer Barschaft gestohlen worden, sich darbietet, und dies um so mehr, als die Prostituierte in vielen Fällen weiß, daß der Vestohlene aus Scharn keine Anzeige erstatten wird. Ein weiterer Beweis dafür, daß Prostituierte wenig zum Stehlen veranlagt sind, erblickt Baumgarten in der Tatsache, daß in den seltensten Fällen Prostituierte ihre Wirtinnen oder Mitbewohnerinnen bestehlen, was diese gewiß zur Anzeige bei der Behörde bringen würden, und daß in keineswegs seltenen Fällen Prostituierte Pretiosen oder Barbeträge, welche unbekannte Besucher bei ihnen vergaßen, freiwillig aus dem Fundbureau der Polizei abgeben, und dies auch in Fällen, wo nach der konkreten Sachlage die Entdeckung des Diebstahls zweifelhaft gewesen wäre. Diese Tatsachen sind von einem erfahrenen Kriminalisten beobachtet worden und dürften daher Keinem Zweifel begegnen.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, fügt Bannt-garten (1. c. S. 15) gleichzeitig noch hinzu, daß er einen Unterschied zwischen den diebischen Prostituierten macht und den in der Wiener Gaunersprache sog. „Abstierinnen",
        
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