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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen.

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tnoor in England von Baker (Journ. of mental science, Jan. 1903) gesammelten Beobachtungen war der Kindes-mord in 5 % der eingelieferten Fälle während der Schwangerschaft, in 35% während der Geburt und in 60 o/o (!) während der Säugeperiode verübt worden. Von den während des Säugens begangenen 115 Fällen betrafen 52 Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren, 53 von 30 bis 40 Jahren und 10 von 40 bis 50 Jahren.

In gleicher Weise mögen Nahrungssorgen für verheiratete Frauen das Motiv bilden, ihr Kind zu ermorden oder wegzulegen. Noch mehr aber versuchen diese, sich ihrer Frucht durch Abtreibung zu entledigen, wozu sie durch andere verheiratete Frauen vielfach verführt werden und worüber sie Belehrung erhalten. Diese Mitschuld mag daher, wie Högel betont, die Kriminalität der verheirateten Frauen gerade bei der Fruchtabtreibung so hoch gestalten. Daß auch die verheiratet Gewesenen für dieses Delikt ein höheres Kontingent stellen, als für beide anderen Verbrechen gegen das Leben des Kindes zusammengenommen, erklärt sich dadurch, dasz für sie wegen ihres Alters viel weniger Hoffnung besteht, daß ihr Verführer sie heiratet und dadurch ihr Versehen bis zu einen: gewissen Grade wieder gut macht, als für die Ledigen, die sich zumeist uoch in jüngeren Jahren befinden und daher noch immer gewärtig sein können, eine Ehe einzugehen, die ihr Kind legitimiert. Dazu mag noch kommen, daß die Verheirateten oder verheiratet Gewesenen besser mit den Methoden der Abtreibung vertraut sind, als die Ledigen. Wie Högel (Die Straffälligkeit des Weibes, S. 263) an dem Beispiele der österreichischen Kronländer zeigt, ist die Ehelosigkeit keineswegs immer das Moment für die höhere Ziffer der Straftaten gegen das Kindesleben, sondern vielmehr die landesübliche Anschauung, die über den außerehelichen Geschlechtsverkehr
        
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