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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen.

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blick unangenehmen Personen mittels Gift aus dem Wege zu schaffen (Kurella, Das Weib, S. 162). Es ist dann nur noch für sie das Gefühl, Herr über Leben und Tod zu sein, das sie auf ihrer ruchlosen Bahn vorwärts treibt.

Bei unserer bisherigen Betrachtung haben wir den Kindesmord ausgeschaltet; mit ihm wollen wir uns jetzt eingehender beschäftigen. Er gehört mit der Abtreibung und der Kindesaussetzung zu den Verbrechen gegen das Leben des Kindes. Alle drei Straftaten stellen die eigent-liche verbrecherische Tätigkeit des Weibes vor, denn das männliche Geschlecht ist an diesen Tatbeständen nur in verschwindend kleiner Anzahl beteiligt. Wie wir schon oben erwähnten, befanden sich unter 1614 Männern, welche wegen Mordes verurteilt waren, nur zwei, denen Kindesmord zur Last gelegt worden war. Die Beteiligung des männlichen Geschlechtes an den beiden anderen Straftaten gegen das Kindesleben ist mich nur eine äußerst schwache, wenngleich sie schon häufiger als beinr Kindesmord in die Erscheinung tritt; sie besteht fast nur in der Mitschuld. Nach Högel (Straffälligkeit des Weibes, S. 262) machten die Verurteilungen des weiblichen Geschlechtes in Österreich während der Jahre 1889 bis 1893 wegen Kindesmord allein 99,9%, wegen Abtreibung 76,5 % und wegen Kindesweglegung 96,7 % sämtlicher Verurteilungen (beider Geschlechter) überhaupt aus. Hierzu wäre noch zu bemerken, daß sicherlich nicht alle Fälle von Verbrechen gegen das Leben des Kindes, im besonderen lange nicht alle Abtreibungen zur Kenntnis gelangt sein mögen. Die Verurteilungen stehen daher ohne Zweifel in keinem Verhältnis zu der Häufigkeit der betreffenden Delikte. Ihre Zahl zeigt, wie Lewin richtig bemerkt, „nur die größere oder geringere Gefchicklichkeit, mit welcher die Fruchtabtreibung verheimlicht wird", an.

Die jüngeren weiblichen Altersklassen sind an Kindes-
        
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