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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

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Großstadt-Dokumente Bd. 48.

richteten, den Eindruck gewonnen, daß die Frau vorwiegend die Anstifterin zum Morde gewesen ist.

Unter den Mitteln, mit denen das verbrecherische Weib seinen Opfern zu Leibe geht, steht das Gift obenan. Schon Euripides läßt seine Medea sagen, daß der Giftmord das Verbrechen ist, in dem sich das Weib hervortut. Nach Havelok Ellis Erhebungen kamen in Frankreich ungefähr 7 Weiber aus 3 bis 4 männliche Gistmörder. Mithin dürsten etwa zwei Drittel der zur Kenntnis kommenden Giftmorde dem weiblichen Geschlecht zugeschoben werden. Für Italien veranschlagt derselbe Autor das Verhältnis der Beteiligung von Mann und Weib auf 100:123. Nach Kurella wurden in England im Jahre 1834 von 100 Giftmorden 45, in Italien in den Jahren 1888 bis 1889 55 allein von Frauen verübt.

Die Motive für den von den Weibern vorsätzlich ausgeführten Mord — wir schließen den Kindesmord aus — liegen in der geschlechtlichen Sphäre. Die Giftmischerin beginnt fast immer damit, daß sie die ihrem Geschlechtsverkehr mit Fremden entgegenstehenden Personen aus dem Wege räumt: es ist dies entweder der eigene Ehemann oder die Frau, resp. Braut des Geliebten. Von 130 Mörderinnen Salsottos hatten 37, d. i. 28,3 %, den eigenen Ehegatten ermordet, 7 den eigenen Sohn, 4 die Geliebte des Ehemannes, 3 den Bruder und ebensooft den Liebhaber, eine den eigenen Vater. Nur in 59 Fällen, d. i. in 45% gehörte das Opfer der Mordtat nicht der Familie der Mörderin an. In 30 % der Fälle hatten unerlaubte sexuelle Beziehungen den Grund abgegeben. Nicht selten begegnen wir dem Falle, daß Gistmörderinnen es bei einem einzigen Opfer nicht bewenden lassen; oft genug schließen sich an den ersten Giftmord noch weitere an, bis das verbrecherische Weib dazu kommt, alle ihr überhaupt unbequemen oder auch nur für den Augen-
        
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