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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

 	Geschlecht und Verbrechen.	49

weiter unten erörtert werden. Vorderhand sollen nur folgende Tatsachen Erwähnung finden.

Mt der Ehe nehmen bei beiden Geschlechtern Diebstahl sowie Betrug und Untreue ab. Recht auffällig ist dieser Unterschied beim weiblichen Geschlecht hinsichtlich des ersten Vergehens. Die weiblichen Jugendlichen stellen einen hohen Prozentsatz an Bestrafungen wegen Dieb-stahls, bei den verheirateten Weibern dagegen kommen nur noch Vs soviel Bestrafungen wegen einfachen Dieb-stahls und nur ziemlich Vs soviel wegen schweren Dieb-stahls vor, als bei ledige::.

Auf der andern Seite wieder begünstigt die Ehe die Häufigkeit verschiedener Vergehen, wie Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung, denn die Bestrafungen wegen dieser Vergehen nehmen mit der Ehe zu. Der Grund für diese Erscheinung liegt einzig und allein in den: engen Zusammenwohnen unter demselben Dache mit anderen Mietsparteim. Das beständige Benutzen derselben Flure, Treppen, Höfe, Gärten usw., das Klatschen der Frauen untereinander über andere Mieter, die Unarten der Kinder, denen die Mitbewohner nicht selten Rügen und Bestrafungen zuteil werden lassen, alles dies führt zu Reibereien und Unzuträglichkeiten die leicht in Be-schimpfungen und selbst in Handgreiflichkeiten ausarten, zumal wenn die Ehemänner abends trunken nach Hause kommen und sich einmischen. Ich erwähnte bereits oben, daß die Kleinen Mädchen viel leichter mit Beleidigungen an der Hand sind als die Knaben, da sie hinsichtlich der dafür auserteilten Strafen diesen gleichsam den Rang ablausen. Eine scharfe Zunge gehört zu den Kennzeichen des weiblichen Geschlechtes. Unter sämtlichen wegen Beleidigung verurteilten Weibern machten die verheirateten 40 % aus, unter sämtlichen Männern diese Gruppe aber nur 12,5%. Verheiratete Frauen wurden dreimal so

Großstadt-Dokumente Bd. 48.	4
        
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