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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

40	Großstadt-Dokumente	Bd.	48.

erst in das 30. bis 40. Lebensjahr, ganz im Gegensatz zu dem des männlichen Geschlechts, das bereits zwischen 18 und 21 erreicht wird. „Vor dem 30. Jahre zieht die Verbrecherin das angenehme, leichte, gefahrlose und straffreie Gewerbe der Prostitution dem mehr Anstrengungen, Überlegung und Gewandtheit erforderlichen Diebsgewerbe vor".

Die Gegner der Lombrososchen Hypothese wollen andere Ursachen für die Entstehung der Prostitution verantwortlich machen. So hat man behauptet, daß die Prostituierten ein Opfer der Verführung vorstellen. Tarnowski hat indessen gezeigt, daß die Prostituierten immer wieder 31t ihrem alten Berufe zurückkehren, auch wenn man ihnen eine vorn moralischen Standpunkte aus einwandfreie Existenz darbietet, ja selbst ihnen ein absolut sorgenloses Dasein schaffen will. Außerdem sprechen gegen die obige Ansicht die recht ungünstigen Erfahrungen, welche die zahlreichen Institute zur Hebung gefallner Mädchen (in Deutschland „Magdalenenheime") mit den Dirnen zu verzeichnen haben: trotz der unendlich großen Mühe, die man denselben zuteil werden läßt, trotz milder und auch strenger Behandlung, trotz moralischen Zuspruches — die Anzahl der wirklich „Geretteten" ist verschwindend klein; die meisten kehren doch wieder zu ihrem schimpflichen Gewerbe zurück. Eine Anfrage, welche L. Ferriani in Italien über die Gründe ihres Falls an 10422 Prostituierte richtete, bestätigt, daß Verführung noch lange nicht das ausschlaggebende Moment für das Ergreifen ihres unmoralischen Gewerbes gewesen ist. In über einem Viertel der Fälle (2752 Personen) wurde dasselbe direkt aus Laster oder Verworfenheit betrieben. Beinahe so häufig (2139 Dirnen) war die Ursache Verlust des Gatten, der Eltern, anderer Familienerhalter oder andere Gründe des Elends. Weiter wurden als
        
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