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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

38	Großstadt-Dokumente 23b. 48.

Bekanntlich hat die Erwerbstätigkeit des Weibes in der letzten Zeit beständig zugenommen. Dementsprechend würde die Annahme naheliegen, daß auch ihre Kriminalitätsziffer einen Anstieg auszuweisen haben wird. Dem ist aber nicht so. Nach Herz (Die Kriminalität, 6. 287) befanden sich in Österreich unter 100 wegen Verbrechens verurteilten Personen:

in den Iahren 1862 bis 1870 84,8% Männer und 15,2% Frauen

„ „ „	1871	„ 1880	85,4%	.. 14,6% „
„ „ „	1881	„ 1885	85,1%	„ 14,8% .,
„ „ „	1886	„ 1891	85,4%	„ 14,6%
„ „ „	1891	„ 1896	85,2%	„ 14,7% „
„ „ „	1896		85,9%	„ 14,1% .,
„ „ „	1897		85,6%	„ 14,4% „
„ „ „	1898		84,5%	„ 13,5% „
„ „ „	1899		86,1%	„ 13,9% „

Obwohl also die Beteiligung des weiblichen Geschlechts an der Gewerbstätigkeit gegenüber der des Mannes in den letzten Dezennien absolut zugenommen hat, hat die Kriminalität des Weibes dagegen keine Zunahme erfahren, sondern ist vielmehr eher im Abnehmen begriffen (nach Herz in vier Jahrzehnten um 1,3%). Die Kriminalität des Mannes dagegen hat eine Zunahme zu verzeichnen. Dies gilt in gleicher Weise wie für Österreich auch für Deutschland.

Neben den durch die Gesellschaftsordnung bedingten Momenten ist es noch die physiologische Organisation des Weibes, die für seine geringere Kriminalität verantwortlich zu machen ist. Es fehlt dem Weibe an der zur Ausführung mancher Verbrechen erforderlichen Energie, Kühnheit und Kraft. Sein Körper ist schwächer gebaut als der des Mannes und erfährt infolge der mit seiner geschlechtlichen Bestimmung zusammenhängenden Vorgänge von Zeit zu Zeit eine oft genug länger (Schwangerschaft) anhaltende Einbuße seiner physischen Fähigkeiten.
        
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