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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

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Großstadt-Dokumente Bd. 48.

Staaten ergeben sich, wenn man den Anteil prozentua-liter berechnet, den das weibliche Geschlecht zu den Ge-samtverurteilungen stellt. Nach Hoegels Zusammenstellung weist England (Jahr 1893) die höchste Ziffer aus, nämlich 18% (nach Kurella für die Jahre 1885 bis 1889 sogar 20%); es würden dann in absteigender Reihenfolge sich anschließen Deutschland (für die Iahre 1886 bis 1895) mit 17,4%, Italien (für die Iahre 1891 bis 1895) mit 17,2% (Kurella 16%), Österreich (für die Jahre 1889 bis 1893) mit 14,9% (allerdings beschränkt aus Verbrechen), Frankreich (1893) mit 14,0% (Verurteilung vor dem Zuchthausgerichte) bzw. 13,9 (Schwurgerichte). Diese Zahlenunterschiede in den einzelnen Ländern dürften auf zweierlei Ursachen zurückzuführen sein. In der Hauptsache wohl daraus, daß über die Schwere der Delikte sowie über ihre Verteilung nach Verbrechen und Vergehen in den verschiedenen Staaten eine ganz verschiedene Auffassung herrscht und daß dementsprechend eine leichtere oder schwerere Ahndung stattfindet, wodurch naturgemäß die Statistik ungleiche Größen zum Vergleichen darbietet. So z. B. werden bei der statistischen Berechnung in Österreich nur die Verbrechen berücksichtigt, in Frankreich die vor den Polizeigerichten geahndeten Übertretungen nicht mit hineingezogen, in Deutschland wiederum die Erhebungen aus alle Vergehen und Verbrechen mit Ausnahme der Wehrpflichtverletzung ausgedehnt u. a. in. Daher fällt in den beiden ersten Ländern die Kriminalität des Weibes geringer im Vergleich zu der des Mannes, als in dem letzteren aus. Aber auf der anderen Seite ist auch gut möglich, daß wirkliche Unterschiede in dem Verhältnis der Anteilnahme beider Geschlechter in den einzelnen Ländern bestehen. So werden in einen: Industriestaate, wo die Frau am erwerblichen Leben in stärkeren: Grade teilnimmt, die weiblichen Verurteilungen zahlreicher aus-
        
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