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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen.

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Die Gründe für diese Höhe der Kriminalität des Greifen eilt er s auf sexuellem Gebiete liegen einmal in dem gesteigerten Geschlechtsverlangen, zum andernmal in dem Mangel an ethischen Gefühlen und der mehr oder minder vorhandenen Altersdemenz. Die beiden letztgenannten Momente vermögen nicht hemmend auf das erstere einzuwirken, so dasz der Geschlechtstrieb die Oberhand behält.

Die sexuellen Vergehen der Greise bestehen zumeist in der Vornahme perverser Handlungen, wie Exhibition der Genitalien, wollüstigen: Betasten der Geschlechtsorgane von Mädchen, Verleitung Minderjähriger zur Manustupration an ihren Verführern oder auch zur Onanie des eigenen Körpers, Flagellation, selbst homosexuellen Praktiken und Sodomie. Alle diese abnormen Äußerungen des Geschlechtstriebes stellen nach Krafft-Ebing einfache Äquivalente des den Greifen nicht mehr möglichen physiologischen Geschlechtsaktes dar. Bemerkenswert ist, daß sie nicht selten an Männern beobachtet werden, die eine durchaus sittliche Vergangenheit hinter sich haben, die bis dahin sich eines guten Leumunds erfreuten; es sind darunter auch Männer, deren natürliches Geschlechtsempfinden feit Jahren, vielleicht schon seit Jahrzehnten vollkommen geschwunden war (Kirn, Zeitschr. s. Allgem. Pfych. 1883, BÖ. XXIX S. 217).

Neben den Sittlichkeitsdelikten find es Vergehen aus Fahrlässigkeit, derentwegen Greise mit dem Strafgesetz noch in Konflikt kommen, nämlich fahrlässiger Eid und fahrlässige Brandstiftung. Daß Greise aus Fahrlässigkeit falsch schwören, ist offenbar auf die bei ihnen vorhandene Gedächtnisschwäche zurückzuführen; daß sie fahrlässige Brandstiftungen begehen, glaubt Bresler (Greifenalter S. 45) mit der Tatsache in Znsammenhang bringen zu dürfen, daß alte Leute am Tage sich verhältnismäßig ruhig verhalten, sowie geistig klarer find, bei Nacht

Großstadt-Dokumente Bd. 48.	3
        
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