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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen. 
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Gegen die Mitte des dritten Jahrzehnts nimmt die 
Stehlsucht schon wieder ab. Im Alter von 20 bis 
25 Jahren machen die Bestrafungen beim männlichen 
Geschlecht noch nicht die Hälfte, beim weiblichen nur noch 
ein Drittel der früheren Jahre aus. 
Neben dem Diebstahl sind sodann die Sachbeschädi¬ 
gung und die Körperverletzung diejenigen Delikte, für 
welche die männlichen Jugendlichen ein hohes Kontingent 
stellen, d. h. den höchsten Prozentsatz unter allen Alters¬ 
klassen. Diese hohe Ziffer gegen Ende des zweiten De¬ 
zenniums ist physiologisch begründet. Ich wies bereits 
am Anfange dieser Arbeit darauf hin, daß um die 
Pubertät herum sich bei Knaben eine gewisse Rücksichts¬ 
losigkeit im Benehmen bemerkbar macht; es sind dieses 
die sog. Flegeljahre. Die Jungen werden sich ihrer zu¬ 
nehmenden Körperkraft, besonders gegenüber dem weib¬ 
lichen Geschlechte, mit einem Male bewußt; sie wollen 
nicht mehr gehorchen, glauben ihren eigenen Willen 
durchsetzen zu können, und, wenn ihnen dies nicht ge¬ 
lingt, geraten sie leicht in Zorn und lassen diesen in 
oft brutaler Weise gegen Personen und Sachen ihrer 
nächsten Umgebung aus. Daher rührt die hohe Be¬ 
teiligung der Jünglinge an den Bestrafungen wegen 
Körper- und Sachbeschädigung, also an Vergehen, die 
in der Hauptsache auf impulsiven Trieb zurückzuführen 
sind. 
Roussel (zitiert von Marro, La puberte, S. 77) hat 
eine Zusammenstellung der Vergehen gegeben, derentwegen 
im Verlause von 20 Jahren in den beiden belgischen 
Reformschulen zu Ruissilöde und Beernem an den Zög¬ 
lingen Strafen verhängt worden sind. Dabei stellte sich 
heraus, daß über die Hälfte der Knaben wegen Streit 
und Gewalttätigkeiten in Strafe genommen wurden (von 
den Mädchen deswegen nur ein Sechstel). Interessant
        
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