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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen.

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Von allen Zuständen, welche mit der Fortpflanzung des Weibes zusammenhängen, gibt das Wochenbett die größte Disposition zum Ausbruch von Geistesstörungen ab. Wir verdanken hierüber u. a. Hallervorden eingehende Studien (Allgem. Zeitschr. s. Psych. 1897, Bd. LIII, S. 661). In den Anstalten zu Allenberg und Kortau, sowie in der Privatpraxis hatte derselbe Gelegenheit, 675 geisteskranke Frauen zu beobachten, darunter 302 Mütter, über welche ihm genaue Aufzeichnungen bezüglich der Entstehung der geistigen Störung und der Vorgeschichte zu Gebote standen. Von diesen 302 Müttern nun litten 171, d. i. 56,5%, also über die Hälfte an Psychosen, die mit der Fortpflanzungssähigkeit im Zusammenhang standen. Hiervon wieder ließ sich allein bei 105, also bei 58 % oder 34,7 % der geisteskranken Mütter bzw. 16,5 % der geisteskranken Frauen überhaupt, das Irresein auf das Wochenbett zurückführen. Mit anderen Worten gesagt, von ungefähr drei geisteskranken Müttern erkrankte eine im Wochenbett. Nimmt man mit Hallervorden an, daß im Durchschnitt jede Frau drei Kinder gebiert, dann würde auf 133 gesunde Mütter immer ein Fall von Wochenbettpsychose kommen. — Äber das gegenseitige Verhältnis der Geistesstörungen bei Schwangerschaft, Wochenbett und Laktation sind wir durch eine Statistik von Vehr aus der Irrenanstalt zu Hildesheim (Allgem. Zeitschr. s. Psych. 1899, Vd. LVI, S. 806) unterrichtet. Unter 180 Generationspsychosen gehörten 3 zu den Schwangerschafts-, 77 zu den Wochenbetts- und 20 zu den Laktationspsychosen. Zur Zeit des Wochenbetts ist also die Psyche des Weibes besonders stark gefährdet.

Es leuchtet ein, daß diese Veränderung auch in der Kriminalität des Weibes zur fraglichen Zeit zum Ausdruck kommen wird. Charakteristisch für das Wochenbett ist die Neigung zu Gewalttaten. Andere Vergehen
        
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