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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen.

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Um die Mitte bis gegen Ausgang der 40 er Jahre beginnt in unseren Breitengraden — auch hier sprechen Klima, Lebensstellung, vorausgegangene Geburten u. a. m. mit — die Menstruation infolge Rückbildung (Involution) der Eierstöcke allmählich an Intensität und Häufigkeit nachzulassen und schließlich gänzlich zu versiegen. Dieser Lebensabschnitt ist ebenso wie die Pubertät ein zeitlich begrenzter und führt die Bezeichnung Menopause oder Klimakterium; beim Volke heißt er die Wechseljahre. Dieses Abklingen der weiblichen Sexualität geht gleichfalls mit tief eingreifenden Veränderungen im weiblichen Körper einher. Aufsteigende Hitze, Schwindel, Stuhlträgheit, Herzklopfen, übermäßige Schweiße, AngstanMle, Schlaflosigkeit, motorische Unruhe und andere nervöse Erscheinungen mehr sind zur Zeit der Hegeln gleichsam an der Tagesordnung. Ganz zutreffend bezeichnet der Volksmund diese Periode als die kritische Zeit. Auch die psychische Sphäre des Weibes wird dabei stark in Mitleidenschaft gezogen; nicht selten treten direkt schwere psychische Störungen in den Vordergrund, so daß die Irrenärzte sogar von einer klimakterischen Geisteskrankheit sprechen. Kann es unter diesen Umständen da wundernehmen, wenn auch die Kriminalität be “> Weibes zur fraglichen Zeit eine relative Höhe erreicht, d. h. sowohl im Vergleich zu der des Mannes in dein gleichen Lebensalter als auch im Vergleich zu den übrigen Abschnitten seines eigenen Lebens? Aus den mir vorliegenden Verurteilungen für Deutschland aus den Jahren 1886 bis 1895 berechne ich, daß im Durchschnitt in dem Dezennium 40 bis 50 das männliche Geschlecht nur mit 9,2%, das weibliche dagegen mit 13,9% an den Verurteilungen beteiligt gewesen ist. Ein ähnliches Resultat ergibt sich, wenn man die weibliche Straffälligkeit (in den angegebenen Jahren) zu der männlichen in den ver-

Grotzstadt-Dokurnente Bd. 48.	2
        
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