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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

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Großstadt-Dokumente Bd. 48.

Reizbarkeit und Zerstreutheit, Unlust zur Arbeit; alle hatten dieselbe Entschuldigung: „in der Menschenmenge, im Lichterglanz wäre ihr Kops benommen worden und sie hätten sich nicht recht überlegt, was sie täten." Lepp-mann nimmt daher an, daß diese Erschöpfungserscheinungen aus ihr Handeln von Einfluß gewesen seien, die Hemmungsvorstellungen gegenüber diesen Reizen erschwert und ihr plötzliches Handeln veranlaßt hätten. Auch er steht auf dem Standpunkt, daß man diesen Personen den Schutz der verminderten Zurechnungsfähigst zugute kommen lassen müsse. Er bedauert gleichfalls, daß man hier nicht mit Geldstrafen vorginge, sondern sogleich mit Gefängnis. Er schlägt schließlich für solche Fälle eine bedingte Begnadigung vor, d. h. ein vorläufiges Aussetzen des Strafvollzuges. Schon die Furcht vor Bestrafung genüge seiner Ansicht nach, daß die Diebstähle sich nicht wiederholten. Schließlich sei noch Mendel erwähnt, gleichfalls ein sehr erfahrener Irrenarzt, der auch die Überzeugung gewonnen hat, daß die große Mehrzahl der von ihm begutachteten Warenhausdiebinnen imbezille, epileptische oder psychopathische kranke gewesen sind.

Es handelt sich also, um es noch einmal zusammenzufassen, bei den Ladendiebinnen in der größten Mehrzahl der Fälle um geistig abnorme Personen, bei denen zur Zeit der Regeln die überhaupt schon verringerte moralische Kraft der Versuchung zu widerstehen in besonders hohem Maße herabgesetzt ist. Von diesem Gesichtspunkte aus verdient die Forderung der Psychiater, in jedem Falle eine ärztliche Untersuchung anstellen und gegebenenfalls Straflosigkeit eintreten zu lassen, volle Berechtigung. Schon im Jahre 1892 hat Krasst-Ebing (Allgem. Zeitschr. f. Psychiatrie Bd. X, Nr. 2 bis 3) die forensische Beurteilung der Menstruationsdelikte in folgende Worte präzis zusammengefaßt:
        
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