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Geschlecht und Verbrechen

Full text: Geschlecht und Verbrechen / Buschan, Georg

Geschlecht und Verbrechen.

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finden der Frau während der Menstruation in Mitleidenschaft gezogen. Das seelische Gleichgewicht wird gestört, es macht sich eine reizbare Schwäche bemerkbar. Daher sind die Frauen zu dieser Zeit, zumeist ohne allen Grund, verstimmt, übelgelaunt, kapriziös, leicht niedergeschlagen und zu Tränen gerührt. Aus der andern Seite auch wieder neigen sie leicht zu Widerspruch, sie werden leicht jähzornig, unverträglich, sie bestehen fest aus ihrer vorgefaßten Meinung, lassen sich durch Vernunftgründe nicht vom Gegenteil überzeugen; es kommt auch gelegentlich zu Anwandlungen von Eifersucht, kurz gesagt, ihre Impressio-nabilität ist abnorm gesteigert. Am deutlichsten tritt diese erhöhte Suggestibilität nach den Untersuchungen Liep-manns (an über 1000 Personen) bei 14jährigen Mädchen, also zur Zeit der ersten Menses zutage. Treffend faßt Elouston in seinem Lehrbuche der Geisteskrank-keiten den psychischen Zustand des menstruierenden Weibes in folgende Worte zusammen: „Sie hat ihre eigene Psychologie, deren Hauptzüge in einer gewissen Reizbarkeit und geringeren psychischen Hemmung kurz vor Eintritt des Prozesses und einer gewissen Energielosigkeit und Lahmlegung der intellektuellen und Gemütskräfte in den beiden ersten Tagen der Blutung bestehen; dazu kommt eine Steigerung der Energie und des Gefühles während 7 bis 10 Tagen nach dem völligen Aufhören der Blutung, die zusammenfallen mit der größten Neigung zur Konzeption." Also auch auf psychischem Gebiet spielt sich die Wellenbewegung ab.

Je höher die Bildungsstufe ist, auf welcher das menstruierende Weib steht, um so empfindlicher reagiert sein Nervensystem aus den Eintritt der Periode. Daher macht diese sich bei Weibern der arbeitenden Klasse oder der Bauern weniger bemerkbar, als bei den Weibern der gebildeten Kreise. Desgleichen prägen sich die psychischen
        
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