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Appendix Bauernfängerkünste im Süden*. Von Hans von Manteuffel

Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

86 Großstadt-Dokumente 23b. 35. Das Berliner Spielertum.

Ohr dringen! Die Gewerbsspieler besitzen überdies eine eigene Fertigkeit, wo es auch immer sei, Bekanntschaften anzubahnen und das Zutrauen ihrer Opfer zu gemimten. Sie verstehen es, sich den gesellschaftlichen und Standesanschauungen der Unerfahrenen anzupassen, in Manieren und Kleidung so geschickt die Gewohnheiten ihres Kreises anzunehmen, daß die Betreffenden keine Ahnung davon bekommen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben. Ein nicht unerheblicher Teil jener Glücksritter scheint sich auch aus Deutschland und nicht immer aus den niedrigster: Sphären zu rekrutieren. Vielleicht ist das Strafkonto in der Heimat schon zu sehr belastet, oder eine noch un-gesühnte Tat läßt es ratsam erscheinen, jeder Berührung mit deutschen Behörden aus dem Wege zu gehen. Es ist nur natürlich, daß der Deutsche im Auslande für diese Gesellen ein ganz besonders gesuchtes und bevorzugtes Ausbeutungsobjekt ist.

Ist der Neuling eingefangen, so ist vom Spiel zunächst keine Rede, bevor das Terrain eingehend sondiert ist. In Ermangelung eines reichlicheren und schnelleren Fischzuges im Hasard haben sich solche Gauner schon damit begnügt, in einem harmlosen Spiele — allerdings zu hohem Point — ihren Landsleuten langsam, aber sicher das Geld abzunehmen. Wer sich stets die besten Karten zu geben weiß, muß ja wohl schließlich gewinnen. Starke Verluste des Gegners haben für den Gewerbsspieler auch den Vorteil, den Verlierer dem Gedanken, sein Glück einmal im Hasard zu versuchen, geneigter zu machen. Zeigt diese Gelegenheit sich günstig, und ist der Neuling nicht ein abgesagter Feind jeden Glücksspiels, so wird bald ein kleines Jeu entriert, bei welchem die getreuen Freunde des Gauners helfen, dem Gimpel gründlich die Taschen zu leeren. Wenn nichts anderes verfangen will, so hat einer der Genossen — von denen
        
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