Path:
Appendix Über Falschspieler und Falschspiel. Von Hans von Manteuffel, Königl. Kriminalkommissar zu Berlin

Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

62 Großstadt-Dokumente Bd. 35. Das Berliner Spielertum.

Bei normalen Karten erreicht er denselben Effekt, wenn er dort mehrere leicht in der Mittellinie gebogene Karten — im Falschspielerjargon „die Brücke" genannt — anbringt. Unwillkürlich bleibt der beim Abheben tastende und suchende Finger auch des Nichteingeweihten an den überragenden Rändern der breiteren Karte oder an dem oberen Kartenpaket, das von dem unteren fühlbar durch die schmäleren oder gebogenen Karten getrennt ist, hängen und hebt dort ab. Kann der Spieler durch einen Genossen abheben lassen, so kommt es auch vor, dasz er die Stelle, wo jener abheben soll, dadurch kennzeichnet, daß er den abzuhebenden Teil etwa einen kleinen Finger breit über den andern hinausschiebt. Doch ist dieser Kniff auch schon gegenüber Neulingen mit Erfolg von Gaunern ausgeführt worden. Will ein Falschspieler, daß eine bestimmte Karte, die er nach beendetem Mischen als unterste Karte des Talons in der Hand seines Gegners erkannt hat, nachher unter den ersten Karten, z. B. beim Spiele Kartenlotterie (auch „Gottes Segen bei Lohn" genannt) unter den neun Gewinnkarten gezogen wird, so hat er nur nötig, beim Abheben den größeren TeU des Kartenpaketes derart abzuheben, daß einschließlich der untersten nicht mehr als neun Karten liegen bleiben. Diese Karten kommen dann beim zweiten Teile des Ab-hebens nach oben und bilden die Gewinnkarten. Zur Voraussetzung hat in dem gedachten Falle diese Art des Betruges, daß man nicht nur Karten für einen gewissen Einsatz aus dem zweiten zur Verwendung kommenden Kartenspiele kaufen, sondern auch aus beliebige andere Karten setzen kann. Es gibt Spieler, die es in dem Abheben einer bestimmten Anzahl Karten zu einer erstaunlichen Fertigkeit gebracht haben.

„Scharfes Ziehen" nennen es die Falschspieler, wenn beim Kartengeben, namentlich beim Abziehen der Karten
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.