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Spielertypen

Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

42 Großstadt-Dokumente Bd. 35. Das Berliner Spielertum.

jeden Abend im Kaiserhof oder bei Hiller. Geschäfte machen! Ein Schieber macht das ganze Jahr Geschäfte. Er verdient immer. Nachmittags im Gase, zumeist beim Billard oder Ecarte. Vormittags bis drei Uhr kann er nichts verdienen, weil er schlaft, deshalb fängt sein Tagewerk etwas später an, als das der anderen Sterblichen. Zwischen einer Partie Billard besorgt er die Prolongierung eines Kellnerwechsels oder das Engagement einer Dame, deren Freund gern aus ihr eine .Schauspielerin' machen möchte.

Abends fängt der ,Tag' des Schiebers an. Manchmal vertritt er noch nebenbei eine Zigarettenfirma oder eine Sektmarke. Aber gewöhnlich läßt er sich mit solchen Kleinigkeiten nicht ein. Ein Schieber ist Mitglied eines Klubs.

Seine äußere Erscheinung schwankt zwischen derjenigen eines Gardeleutnants in Zivil und eines im Vollbesitz seiner Kaumuskeln sich wohlfühlenden Agrariers. Aber auch der Kommerzienrattypus ist vertreten. Gewöhnlich läßt man sich ,Direktor' titulieren. Oder .Herr Leutnant'. Der äußere Mensch ist in jeder Weise vollendet. Der Nachmittagssakko von einem vorzüglichen Schneider, der Pelz beinahe Zobel — im ganzen der internationale Ehic, der höchstens durch eine zu kräftige Krawatte und einen zu großen Brillanten verdeutscht wird. Auch der Abendsmoking — die lange schmale Hülle mit Glockenschoß aus breitem Seidenrevers — first rate.

Über das satte Gesicht zieht ein selbstverständliches Lächeln, die Reflexbewegung von Austern und Irroy. Dann setzt er sich an den großen runden Tisch im Klub, und weihevolle Stille hüllt seine anstrengende Tätigkeit ein, die ihn zwingt, von Zeit zu Zeit die Goldhäufchen oder Banknoten nach rechts oder links zu schieben. Wie es ,Bac' vorschreibt oder das .Tempeln'. Auch im Poker oder Mauscheln muß er im Schweiße seines Angesichts seine paar Kröten balanzieren, und es ist wahrlich nicht leicht, sowohl den Karten zu folgen, als auch aufzupassen, daß alles seine Ordnung hat. Ein Schieber ist aber auch Sportsmann. Automobilbesitzer auf Wechsel, Rennstallinhaber als Strohmann."

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Daß außer diesen Geschäftsleuten auch andere Kreise sich an Spiel und Hasard beteiligen, ist reichlich bekannt.
        
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