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Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

38 Großstadt-Dokumente Bd. 35. Das Berliner Spielertum.

aber zu einer Beilegung der Angelegenheit kommen, weil nämlich verschiedene Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein sollen, die eine öffentliche Beleuchtung nicht gut vertragen. Direktor Ludwig Sachs, Mitglied des kaiserlichen Automobilklubs, hat bei den „Darlehen," die	dem	Pappenheim so	bereitwillig	gewährt

wurden, seine Hand im Spiele, und die ganze Börse weiß, daß wo Sachs dabei ist,	das	Verdienen mit	drei großen	V.s ge-

schrieben wird. Was Pappenheim alles an Stelle der Valuta bekommen hat, darüber soll Herr Tietzer die beste Auskunft geben können. Dieser hat	aber	erklärt, solange „fern von	Madrid

weilen zu wollen, bis die Sache endgültig aus der Welt geschafft sei."

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Die Morgenpost berichtete:

Es ist noch gar nicht so lange her, daß in Klubkreisen ein Eoup, den einer der kühnsten Professionsglücksspieler „gelandet" hat, viel von sich reden machte. Er nahm in einer nur wenige Stunden währenden	Ecartspartie seinem	Partner, einem oft-

preußischen Gutsbesitzer, das respektable Sümmchen von 650000 M. ab und ist daran schuld, wenn seither ein notleidender Agrarier mehr existiert. In demselben Klub tauchte ungefähr zur selben Zeit ein junger Berliner Bankier auf, der jahrelang in Johannesburg geweilt und sich in südafrikanischen Goldminen ein großes Vermögen erspekuliert hatte. Er wurde seine kostbaren Shares im Betrage von fast 300000 M. in einer Nacht los. Ein Waren Hausbesitzer aus der Provinz zählt seit Jahren zu den besten „Kundschaften" der Berliner Hasardprofessionals: vor zwei Jahren bezahlte er seine nächtliche Zerstreuung mit 40000, im Vorjahre mit 50000 M.

Das sind übrigens schon Summen, von denen man in Spielerkreisen weiter kein Aufhebens macht, denn 30—80000 M. Verluste stehen auf dem Vergnügungsprogramm fast jeder Klubnacht. Andere Spieler, die nicht den Ehrgeiz besitzen, ihr gesamtes Vermögen in einer Nacht loszuwerden, treten allabendlich pünktlich mit ein paar Tausend Mark in der Tasche an, die ebenso pünkt-fich in den ersten Morgenstunden alle geworden sind. Ein Konfektionär aus dem Stadtinnern hat auf diese Weise Monate hindurch allnächtlich seine 2—3000 M. dem Moloch Hasard geopfert. Man muß sich wundern, woher diese Leute, deren Spielverluste
        
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