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Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

Spielertypen.

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Aus einem Berliner Wochenblatt:

„Als sich der Klub 1900 auslöste, hieß es, er habe doch etwas Gutes gestiftet, nämlich zwei glückliche Ehen: Hahn-Heuschert und Pappen heim-Oppenheim. Während bei dem ersteren Paare bloß die Liebe zum ewigen Bunde führte, waren bei Pappen-heim vornehmlich finanzielle Momente im Spiele. Letzterer, der als Teilhaber einer zahnärztlichen Instrumentenfirma sein leidliches Auskommen fand, hatte schon seit langem ein Auge auf das einzige Töchterchen des steinreichen Mäntelfabrikanten Oppenheim geworfen. Er wußte sich bei Papa Oppenheim, der wie Pappen-heim ebenfalls Mitglied des Klubs 1900 war, dadurch in ein besonders günstiges Licht zu setzen, daß er den „soliden jungen Mann" markierte. Er spielte niemals Bakkarat, Poker nur sehr selten und sehr niedrig, beteiligte sich nur an sogenannten Kommers-spielen; er war ein „Musterknabe" der nur Sinn für sein Geschäft und — Familienanschluß hatte. Die Sache war bald geschoben, und Pappenheim ward der Schwiegersohn Oppenheims. Vor der Trauung war aber noch verschiedenes zu „ordnen". P. hatte, wie es einem Lebemanne geziemt, ein „Verhältnis", das mit einer ziemlich großen Summe abgefunden wurde. Außerdem hatte er verschiedene kleinere Schulden — kurz er brauchte Geld. Da „halfen" ihm sein Vetter Tietzer und sein Freund L. Sachs aus, d. h. alle drei nahmen eine größere Summe auf, die aber nur durch das Giro Pappenheims, des prüsumtiven Schwiegersohns des reichen Oppenheim, zu erlangen war. Tietzer pumpte außerdem, wieder mit dem Gefälligkeitsgiro Pappenheims, „auf eigene Rechnung", und so war Pappenheim bald eine bei weitem größere Summe schuldig, als er je bekommen hatte. Papa Oppenheim gab seinem Schwiegersöhne eine Mitgift von200000 M. und eine hochelegante Wohnungseinrichtung, die aber vorsichtigerweise auf den Namen seiner Tochter eingetragen wurde. Pappenheim mußte diese Summe größtenteils zur Tilgung seiner von der Hochzeit eingegangenen Verpflichtungen benutzen. Sicher ist, daß Pappenheim seinem Schwiegervater in spe seine große Schuldenlast verschwieg. Papa Oppenheim hat jetzt, da die Gläubiger drängen, erklärt, er zahle für seinen leichtsinnigen Schwiegersohn nicht nur keinen Pfennig, sondern er lasse ihn auch aus der Firma ausscheiden. Für P-würde — falls die Gläubiger kein Einsehen haben würden — nichts übrig bleiben, als in Konkurs zu gehen, was aber nicht viel Zweck hätte, da fast gar keine Masse da ist. Es wird nun
        
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