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Spielhöllen

Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

Spielhöllen.

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Zuhälter und andere Männer zum Spiel zusammenfinden.

Von Kellnern weiß man überhaupt, daß sie gern spielen. Ein professioneller Spieler erzählte mir, daß er einmal vierzehn Tage lang in Kellnertracht in einem kleinen Lokal Unter den Linden verkehrte, bis er die dort stets spielenden Kellner von seiner Kennerschaft überzeugt hatte — und sie dann ordentlich „ausnahm".

Ein andermal verkehrte er in einem Lokal, das fast nur von Monteuren besucht wurde, längere Zeit in blauer Bluse. Seine eigentlichen Stammlokale aber sind die in der Nähe der Rennplätze.

Mancher von den Wirten läßt so lange „machen", bis ihm die Polizeistrafen zu hoch werden, oder er fürchtet, die Konzession könne ihm entzogen werden.

Wer das Publikum der Rennplätze gesehen hat, versteht, daß solche Lokale nach Schluß des Rennens bis auf den letzten Platz gefüllt sind. Die Professionellen schlagen sich beinah um die einzelnen kleinen Tische. Und die übrigen Spieler stehen Mann an Mann in dem dunstigen Raum. Die Hintersten erklettern Stühle, nur um sich am Spiel beteiligen zu können. Es ist der gepriesene Mittelstand, der hier sein Geld und den Lohn seiner Mühe los wird: Handwerksmeister, Agenten, Wirte, Kleinhändler, Zwischenmeister, Kellner, Techniker — alles, was auf niederen Plätzen der Rennbahn verkehrt und dort noch nicht genug verloren oder zu viel gewonnen hat.

* *

*

Arno Arndt hat im 10. Band der Großstadtdokumente die Spielerei aus den Rennplätzen geschildert. So erübrigt sich hier wohl ein näheres Eingehen auf diese Art von Spiel, das großartig Rennwette genannt wird.
        
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