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Spielhöllen

Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

14 Großstadt-Dokumente Bd. 35. Das Berliner Spielertum.

Außer in Kaffeehäusern wird auch in zahllosen kleineren und einfachen Lokalen gespielt. Meistens in Hinter-zimmern, wie aus folgendem Bericht des Berliner Tageblattes hervorgeht:

„Die Vorgänge in einem Hinterftübchen seiner Schankwirt-schast führten gestern den Restaurateur Kasimir Iaczek wegen Duldens von Glücksspielen vor die sechste Strafkammer des Landgerichts I. I. war Inhaber einer Schankwirtschaft in der Holzmarktstraße, in der sich jeden Mittwoch und Sonnabend ein sehr reger Verkehr entwickelte. In einer verschlossenen Hinterftube trafen an diesen Tagen zumeist etwa 50 bis 60 Personen zusammen. Es wurde eine lange Tafel gebildet, und bald erklang das Rollen der Würfel und das Klingen von Goldstücken. Gespielt wurden nämlich „goldene Sechs", „lustige Sieben", „meine Tante, deine Tante", „Gottes Segen bei Lohn" und ähnliche Spielchen. Die Umsätze waren teilweise sehr hoch. Ein Handwerksmeister soll an einem Abend mehrere hundert Mark verloren haben, so daß er später seinen Gesellen nicht ihren Lohn zahlen konnte. Das Treiben in dieser Spielhölle währte mehrere Monate, bis eines Tages die Kriminalpolizei der Herrlichkeit ein Ende bereitete. Die Gattin eines Kaufmanns, der größere Summen in der Spielhölle verloren hatte, war hinter die Leidenschaft ihres Ehemannes gekommen und hatte Anzeige bei der Kriminalpolizei erstattet. Eines Nachts erschienen zwei Beamte in dem Lokal, beschlagnahmten das vorgefundene Geld und stellten die Personalien der Spieler fest. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte die Eheleute Iaczek wegen Duldens von Glücksspielen zu einer Geldstrafe von je 150 Mark. In der Berufungsinstanz vor der Strafkammer bestritt insbesondere die Ehefrau I-, etwas von dem Treiben in dem Hinterzimmer gewußt zu haben. Der Gerichtshof hielt diese Angabe auch für nicht widerlegt und erkannte gegen Frau I- auf Freisprechung. Dagegen wurde die Berufung des Ehemannes unter Bestätigung des ersten Urteils auf seine Kosten verworfen."

Selbst Lokale, die auf noch niederer Stufe stehen, werden als Spielhöllen benutzt. Im 5. Band der Großstadtdokumente schildere ich die Vorgänge in einem Vouillonkeller der Schützenstraße, wo sich nächtlich Kellner,
        
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