Path:
Introduction

Full text: Das Berliner Spielertum / Ostwald, Hans

Einleitung. 
7 
Wo eben Geldwirtschaft herrscht, wo Gewinn — und 
oft großer Gewinn — ohne eigentliche Arbeit zu erzielen 
ist, wo Handel und Spekulation in jeder Form im wirt¬ 
schaftlichen Boden der Gesellschaft wurzeln, da wird sich 
auch das Spiel einstellen. 
Das Spiel, das nur um Geld geht. 
Das Spiel, bei dem jedes andere Objekt aus¬ 
geschaltet ist. 
Das allein wird heute als Spiel betrachtet. 
Trotzdem zahllose Arten des „Geschäfts" nichts an¬ 
deres als ein Spiel darstellen — ja, trotzdem fast ein 
jedes Geschäft ein Spiel mit Geldeinsatz ist. Nur sind 
die Verlust- oder Gewinnzeiten verschieden. Aber — bei 
der heutigen Unruhe des Geschäftslebens — welchem Ge¬ 
schäft hastet wohl noch die Stetigkeit und Solidität des 
Geschäfts an? 
Wohl beanspruchen manche Geschäfte zähe Arbeit und 
rastlose Tätigkeit. 
Aber viele Geschäfte schließen wiederum fast jede 
Arbeit aus — oder gestatten doch eine solch minimale 
Arbeitsleistung ihres Leiters, daß man sich nicht zu wun¬ 
dern braucht, wenn viele Geschäftsleute zugleich Spieler 
sind. In thrent Empfinden gibt es kaum noch einen 
Unterschied zwischen Geschäft und Spiel. Wie eben tat¬ 
sächlich zwischen beiden sich kaum noch eine Grenze auf¬ 
richtet. 
* * 
* 
Spiel und Spieler hat's immer gegeben. 
Die Germanen schon spielten um Freiheit, Leben und 
allerlei leibliche Güter. Zm Mittelalter kam man durch 
die Ausschreitungen, die sich beim Spiel ereigneten (Sauf¬ 
gelage und Unzucht, professionelle Spieler, die durchs 
Land zogen) zu Einschränkungen des Spiels und wurde
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.