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Entlassene Strafgefangene

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

90 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

diese Tat habe ich Weib und Kind verloren. Und nun stehe ich ganz allein in der Welt. Wenn nicht der Ge« danke an meine gute Mutter mich aufrecht erhalten würde, an meine Mutter, die meinetwegen schon so viele Tränen geweint hat, hätte ich einem solchen verfehlten Dasein schon ein Ende gemacht . . ♦"

Selten ist es, wenn die Bittenden nicht Antwort mit der nächsten Post verlangen. Sie stehen alle vor

dem Letzten.-------------

• Im Bureau geht es unablässig weiter. Kurz vor Schluß kommt noch ein Mann herein, dessen Kleidung vollkommen zerknittert ist, der man ansieht, daß sie bis vor kurzem zusammengeschnürt auf der Kammer irgend einer Anstalt gelagert hat.

„Haben Sie noch Arbeit für mich? Kann ich heute noch weg?"

„Gewiß. Wo kommen Sie denn her?"

„Aus Rummelsburg." *)

„Na — denn erst mal Geld her!"

„Nee — so ganz ohne Geld" — er tritt von einem Bein auf das andere.

„Dann können wir Ihnen keine Arbeit geben. Da, hier ist eine Stelle. Fünfundvierzig Mark bis Oktober. Wenn Sie wollen, da können Sie sofort mit zur Bahn. Geben Sie das Geld, wir werden Ihnen eine Hose kaufen!"

„Nee — nee. wenn ich die drei Mark nicht behalten darf —"

„Na, dann haben wir nichts für Sie." meint der Sekretär.

„Ja, dann kann ich mir nicht helfen. Aber so ohne

i) Rummelsburg — Berliner Arbeitshaus.
        
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