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Entlassene Strafgefangene

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

86 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

findet es zwar reizend, daß die Frau so lebendig und tüchtig ist. Doch als alle Recherchen, alle Auskünfte die Angaben der Frau bestätigen, als sie überall ganz ungewöhnlich gelobt wird, bekommt er noch mehr Respekt vor ihr und sorgt dafür, daß der Mann nach Berlin kommen darf. . . .

Im Bureau geht es unausgesetzt weiter.

Ein junger Bursche kommt herein. Mit einer Sammetsportmütze; ein verhungertes, dummpfiffiges Gesicht, kurz geschoren, die Nase aufgestülpt, die Ohren abstehend.

„Sie können als Hofgänger gehen." sagt man zu ihm.

„Ich möchte gern Milchkutscher werden!" meint der Bursche und dreht seine Mütze hin und her.

„Milchkutscher? Aber das können Sie doch nicht! Sie sind doch viel zu jung!"

„Ich gehe nur als Milchkutscher!" beharrt er. „Ich will fahren. Ich will Pferde haben und herumfahren."

„Nu reden Sie doch nicht! Sie waren doch noch nicht Milchkutscher. Und Ihnen kann man doch kein Fuhrwerk anvertrauen. Was. so ein bischen in der Stadt herumfahren — und dann denken Sie wohl. da' zu gehört nicht mehr? Zum Milchkutscher gehört eine ganze Menge. Mit dem Spazierenfähren ist das nicht getan. Hier. eine Stelle als Hofgänger. Neunzig Mark im Jahr, und Sie haben Ihre Ordnung."

„Nee, als Hofgänger geh' ich nicht."

„Na, können Sie denn mähen?"

„Nee."

„Können Sie pflügen?"

„Ja."

„Na. dann können wir Sie doch auch nicht mal als Knecht weggeben. Dann können Sie doch aber als
        
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