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Entlassene Strafgefangene

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

84 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

keine habe. Nun gerade nicht. Wenn Sie die Stelle nicht wollen, habe ich keine für Sie."

„Nee — nee — ohne Jeld in de Finger !"

Er schüttelt den Kopf und geht hinaus auf den Flur.

Dann kommt ein Mann herein, dem man ansieht, daß er nicht zu den niedrigsten Arbeitern gehört. Ein offenes, intelligentes Gesicht, blaue, helle Augen, blondes Haar, blonden Spitzbart. Eine blaue Bluse, der feste Zug im Gesicht deuten den Metallarbeiter an.

• „Ja, Fabrikarbeiter sind nicht gemeldet. Als Schmied können Sie nicht gehen?"

„Nein."

„Können Sie Landarbeit machen? Können Sie mähen?"

„Nein, mähen kann ich nicht."

„Können Sie denn mit Pferden umgehen?"

„Ja, gewiß; pflügen kann ich auch."

„Na — hier, huudertsechzig Mark Jahreslohn — aber das werden Sie nicht ausfüllen können?"

Durch die zähen Züge des etwa dreißigjährigen Mannes geht es wie ein Lächeln, halb spöttisch, halb ängstlich. Dann greift er hastig nach der Feder und unterschreibt — wenn man im Gefängnis war, darf man nicht wählerisch sein. . . .

Nun kommt eine junge Frau durch eine andere Tür. Ein hübsches, gefälliges Wesen. Einfach, aber geschmackvoll gekleidet. Sie hat einen offenen Blick. Und die ein wenig kräftige Nase paßt gut zu dem energischen Kinn.

Resolut geht sie auf die Beamten los:

„Ist der Herr Vorsteher da?"

„Im nächsten Zimmer."

Da ist sie auch schon drin.

„Ach, Herr Direktor, Sie entschuldigen, daß ich Sie
        
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