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Entlassene Strafgefangene

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

0Lrichtsgebäude, Grunerstraße. Der eiserne Torweg an der Stadtbahn. Oben fahren die Züge hin und her auf den Viadukten. Auf der Straße ist das bunte, muntere Treiben der Großstadt mit seinem Tumult und seinem heiteren Farbeuspiel. Die jungen Mädchen in sommerlich hellen Kleidern. Die Männer alle in sauberen Röcken. Und an der Ecke steht eine Händlerin mit Rosen, den ganzen Wagen bepackt mit den duftenden Blumen; ein Blühen von Rot, von den dunkelsten bis zu den lichtesten Tönen. Das quillt und schwillt, als wolle es überfluten. Ueberall Ueberfluß . . .

Nur unter der Stadtbahnbrücke lungern im dunklen Schatten mehrere Gestalten: dürftig, in zerknitterten Jacken und Hosen, armseligen, verwitterten Kopfbedeckungen und jämmerlichem, altem Schuhwerk. Sie haben etwas unsäglich Scheues im Blick und in der Haltung, in allen Geberden und Bewegungen.

Und jetzt geben sie sich einen inneren Ruck, gehen durch den eisernen Torweg und die Einfahrt zwischen Stadtbahn und Gerichtsgebäude entlang. In den ersten Eingang rechts biegen sie ein — hinein in den Arbeitsnachweis zur Besserung der Strafgefangenen.

Nach und nach tauchen aus dem heiteren Gewühl der Großstadt immer wieder solche scheuen, zerknitterten Menschen auf. Einzelne sind noch in guter Kleidung, Arbeiterkleidung. Aber abgetragen, schäbig ist ihr
        
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