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Eine Nacht bei den Obdachlosen

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

76 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

mich ein paar Minuten über die Ausdünstungen der auf den Körpern trocknenden Kleider und Stiefel hinweg täuschte. Da nur noch Vereinzelte saßen und plauderten, ging ich wieder zu meiner Pritsche.

Da rief einer laut:

„Ruhe!"

Einen Augenblick wurde es stiller. Ich zog die ziemlich schmierige Sackleinwand über mich. Da bewegten sich wieder mehrere.

Wieder rief es aus einer Ecke gebieterisch:

„Ruhe!"

Aber es währte nicht lange, da war es abermals nicht still, und aus der Ecke gellte es wieder:

„Ruhe!"

„Ach was — wenn man doch nicht schlafen kann!" brummte einer.

Dann aber schwiegen alle. Nur selten ging einer hin und her. Doch das Atmen der Vielen und ihr Hin- und Herwerfen tönte noch immer durch den Raum.

Und alle Viertelstunde hustete der Hagere so scharf und hart. Er legte sich nicht mehr nieder. Die Decke zog er sich über den Kopf und nickte hockend vor sich hin. Sein von der ununterbrochen flackernden Flamme geworfener Schatten bedeckte ganze Reihen der Schläfer mit ins Riesengroße verzerrtem Dunkel...........................

Morgens um fünf rief ein Beamter zur Tür herein:

„Aufstehen!"

Wir wuschen uns notdürftig, trockneten uns mit unseren Taschentüchern und klappten unsere Pritschen hoch. Niemand beklagte sich, daß ihm etwas gestohlen worden sei.

Dann kam ein Hausdiener mit Brotstücken, je zwei-
        
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