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Eine Nacht bei den Obdachlosen

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

Nacht bei den Obdachlosen.

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Sowat wagen se uns zu bieten? Det is woll wat for de Wasserpolacken, aber nich for Männer, die Schule je-noffen haben!"

„Schule jenossen? Wo hast Du denn Schule je« nosfen?" fragte ein junger, sorgfältiger als die meisten anderen gekleideter Mann. „Mir kannst Du es ja ruhig sagen, was Du hinter Dir hast. Hier kommen ja mehr Leute her, die nicht fürs Asyl bestimmt waren. Ha — ich habe auch Schule genossen. Bis Prima. Und meinen Einjährigen habe ich in Liegnitz gemacht."

Damit hielt er seinen Militärpaß hin. Der erste griff danach. Als er aber sagte: „Das kann ich nicht gleich so lesen," meinte ein dritter:

„Und Du willst Schule genossen haben?"

Diese Szene beachteten die meisten gar nicht. Als aber von einem gefragt wurde, ob sie heute Abend baden müßten, hoben viele ihre Köpfe. Der mit den bösen Augen lief unruhig hm und her.

„Is ja nich dran zu denken! Seitdem die Abgeordneten hier waren, braucht feener mehr zu baden, der nich will!"

In diesem Augenblick öffnete ein Beamter die Tür und rief: „Nach dem Schlafsaal!"

In langem Zuge schritten wir an ihm vorbei, durch weite Korridore, dann hinein in den Saal 25. Ein ungeheizter, hoher, etwa zwanzig Meter langer und sieben Meter breiter Raum, dessen Wände und Decken mit grauer Oelfarbe gestrichen waren. Im Dach befanden sich eine Reihe Fenster, durch die es kalt herabwehte auf die Durchnäßten, die sich ein wenig an den Wärmeröhren des Warteraums gelabt hatten. Sofort wurden die Fenster geschlossen. Dann klappten die Pritschen herunter. Und in kurzer Zeit hatte sich jeder der siebzig Männer sein Nachtlager gesucht — im Flackerschrin der
        
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