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Eine Nacht bei den Obdachlosen

Full text: Dunkle Winkel in Berlin / Ostwald, Hans

72 Großstadt-Dokumente Bd. 1. Dunkle Winkel in Berlin.

warnt und darfst blos noch fünfmal kommen. Und denn schieden sie Dir ab mit'n grünen Wagen."

Inzwischen hatte sich der Vorraum immer mehr gefüllt. Die wenigsten sprachen. Nur zwei Polen unterhielten sich. Aber das gefiel jenem nicht, der mir den kameradschaftlichen Rat gegeben.

„Wenn Ihr Euch wat zu erzählen habt, sprecht doch Deutsch!" herrschte er sie an.

Als ihm jedoch der Pole auseinandergesetzt hatte, daß man doch auch Privatgespräche haben könne, und daß er sich nie um solche kümmern würde, gab er ihm Recht. Die Erregung, die dieser Streit hervorgerufen, endete in dumpfer Resignation: Ach, laßt jeden machen, was er will! —

Bald darauf schob einer der hinter der Glastür auf und ab eilenden Beamten den Riegel zurück. Hastig drängten alle aus der feuchten, kalten Nachtluft in den gewärmten Warteraum. Die langen Bänke waren schnell besetzt. Hier, in dem rücksichtslosen Licht der in der Mitte des kahlen, hohen Raumes brennenden Gaslampe zeigte sich die ganze Verkommenheit des Aeußeren meiner Schlafgenossen für die kommende Nacht. Vom Wind, Regen, Staub und Schmutz mitgenommene und verwüstete Kleider hüllten diese verwüsteten Menschen ein. Stumm hockten sie auf den langen Bänken neben-einander. Nur jene, deren Rock wohl schon schäbig, doch noch nicht zerrissen und geflickt war. nur jene, die noch mit rasierten Gesichtern oder verschnittenen Bärten hier hinaus kommen, plauderten. Einer von ihnen, unter dessen buschigen Brauen böse. tiefliegende Augen herausblickten, lief geärgert an den Wänden herum, an denen große Zettel mit Stellenangeboten für Erdarbeiter hingen.

„He — wat! Wir Berliner und Erdarbeeten?!
        
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